Süddeutsche Zeitung

Arte-Krimi "Der Tote am Teich":Mord zwischen Hirschgeweih und Obstschnaps

Ein österreichischer Regionalkrimi mit Untertiteln - muss so viel Völkerverständigung wirklich sein? Ja, denn der "Der Tote am Teich" lohnt sich allein wegen Josef Hader.

Der Sender Arte wurde gegründet, um die Völkerverständigung durch Glotzen zu fördern: Wer über dieselben Komödien lacht und bei denselben Dokumentationen wegzappt, schimpft weniger über den anderen und lässt das Schießen hoffentlich ganz bleiben.

Dass Arte diesen Erziehungsauftrag immer noch ernst nimmt, demonstriert man bei der ORF-Koproduktion Der Tote am Teich - nur wird dem deutschen Zuschauer hier nicht der Nachbar im Westen nähergebracht, sondern der im Süden: Weil das Drehbuch von Susanne Freund wohl zu österreichisch daherkam, greifen Untertitel erklärend ein: "Pfiat Gott" wird mit "Tschüss" übersetzt, der Ausruf "Bist du deppert!" mit "Au Mann!".

Strukturwandel in Film und Flur

Der interkulturelle Transfer schien nötig zu sein, weil der Film dem Hang zum vermeintlich Authentischen folgt. Regionalkrimis - oder, jetzt mal österreichisch untertitelt: Landkrimis - sind in Mode, die Produktion ist die vierte solche des ORF. Der Tote am Teich ist auch schön landestypisch aus dem Leben geschieden: In einem Dorf im Mühlviertel wurde einem Gast ein Eisstock über den Schädel gezogen, im Magen hat er zudem Spuren einer Giftpflanze, die dort in jedem zweiten Bauerngarten wächst.

Und weil all die Krimis, die auf dem Land gedreht werden, den Strukturwandel leider auch nicht aufhalten können, müssen die Kommissarinnen Grete Öller und Lisa Nemeth aus dem fernen Linz kommen und ermitteln - der örtliche Inspektor Sepp Ahorner ist außer Dienst, offiziell wegen Burn-out.

Josef Hader erinnert an seine bekannteste Figur

Der Kommissarin Öller leiht Maria Hofstätter ihre herbe Verschrobenheit, die junge Kollegin Nemeth, die stets auf einem Tablet-Computer rumdrückt, spielt Miriam Fussenegger, dem ORF- und dem Arte-Publikum wird sie spätestens im Sommer ein Begriff sein, wenn sie bei den Salzburger Festspielen die Buhlschaft im Jedermann gibt. Zwischen Hirschgeweih und Obstschnaps leben Öller und Nemeth einen Generationenkonflikt aus, den man zuletzt auch von Tatort-Ermittlern vorgeführt bekam. Mit dem Unterschied, dass die Regie von Nikolaus Leytner hier Menschen mit Empfindungen zeichnet, anstatt wahllos irgendwelche Konfliktknöpfe zu drücken.

Ähnlich verhält es sich mit dem Lokalkolorit: Er ist omnipräsent, aber selten so übertrieben, dass der Film in ein reines Skurrilitätenkabinett abgleitet - auch, wenn man das anfangs vermuten könnte: Den Ex-Inspektor mit Schnauzbart, Trappermütze und treudoof-grübelnd vor sich hinglotzenden Haselnussaugen spielt Josef Hader. Natürlich bleibt er nicht ganz a. D., natürlich ist er nicht wirklich wegen Burn-out in Pension, natürlich hat er etwas mit dem Fall zu tun. Und natürlich wird man bei der Figur stets an Kommissar Brenner erinnert, Haders große Rolle in den Verfilmungen der großen Wolf-Haas-Krimis. Aber es gibt schlimmere Erinnerungen.

Der Tote am Teich, Arte, 20.15 Uhr.

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SZ vom 29.04.2016/roho
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