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Arte-Doku über Väter:Plötzlich Papa

Moderne Papas Arte Doku

Moderne Papas

(Foto: Arte France)

"Fast hätten wir alles richtig gemacht": Eine Arte-Dokumentation begleitet junge Männer dabei, wie sie Vater werden. Inklusive Zweifel und eigentlich verbotener Fragen.

Ein bisschen müde seien sie. Und mit dem Ischias hätten sie Probleme. Ist es die erste Schwangerschaft? Ja. Und dann auch noch der 24. Dezember als Geburtstermin - oh je. Aber die jungen Männer aus Andrés Jarachs Dokumentation lassen sich nicht unterkriegen.

Der Filmemacher hat sechs von ihnen, allesamt in Frankreich, vor und nach der Schwangerschaft ihrer Partnerinnen begleitet und will damit laut Programmankündigung "ein ironisches Porträt der modernen Vaterschaft jenseits aller Stereotypen" zeichnen. Das gelingt ihm überraschend gut - wobei die Ironie nicht über ein dezentes Augenzwinkern hinausgeht. Und das ist gut so.

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Denn dadurch steht die Frage im Fokus, wie sich das Leben junger Männer auf einmal verändert, wenn ein Baby kommt. Das wird in "Moderne Papas" nicht nur, aber auch beim Billard erörtert. Und zwar nur von Vätern. Die Mütter blendet Jarach fast komplett aus. Eine darf zwar mal das Baby halten, die andere erklären, warum auf jeden Fall das Bügelbrett bleiben und die Hantelbank aus dem Wickelzimmer verschwinden muss: "Für Muskelaufbau ist dann keine Zeit mehr." Ansonsten stehen die Väter im Vordergrund. Als allerdings einer alleine einen Kinderwagen aussucht, wirkt dieses Ausklammern arg konstruiert. Vermutlich wird er ja nicht der Einzige sein, der ihn schiebt.

Am Kickertisch rätseln dann zwei Väter, ob die Mutter nach der Geburt noch dieselbe Figur habe wie vorher. Das sind wohl trotz aller erhobener Zeigefinger eben Fragen, die sich werdende Väter stellen. Jarach dokumentiert diese, ohne sich selbst einzumischen. Allenfalls mit den an Ikea-Illustrationen angelehnten Comics und einigen pointierten Kommentaren aus dem Off gibt er der Doku seinen eigenen Witz mit. Den Rest übernehmen die Protagonisten.

Und die erzählen ganz unaufgeregt aus ihrem Alltag, in dem auf einmal ein Baby ist. Oft wird darüber gesprochen und geschrieben, was junge Eltern alles falsch machen können. "Wir hätten fast alles richtig gemacht", sagt einer über die Kinderzimmereinrichtung. Mit seiner Freundin hatte er unzählige Tierbilder an die Wand geklebt. Aber als ihr Baby schon da und es zu spät war zum Renovieren, las er, dass Wandbilder angeblich schädlich für den Nachwuchs seien. Mit einem Lächeln wischt er seine Zweifel weg. Wie locker, humorvoll und ehrlich die sechs Väter versuchen, ihren Alltag auf ein Baby umzustellen, macht den Reiz dieses Films aus.

Da stört es nicht weiter, dass am Ende der Doku kein Resümee steht. Sondern ein Baby auf dem Arm der Mutter nichts anderes brabbeln will als "Papa".

Moderne Papas, Arte, 22.35 Uhr