Arte-Doku "Ich bin Truman Capote, ich bin seltsam, aber ihr werdet mich mögen"

"Er war ein Genie, und Genies sind selten glücklich": der Schriftsteller Truman Capote.

(Foto: Getty Images)

"Frühstück bei Tiffany" und "Kaltblütig": Arte ehrt den schillerndsten Schriftsteller der USA mit einem Themenabend.

TV-Kritik von Viola Schenz

Talent, Erfolg und Zufriedenheit gehen nicht unbedingt Hand in Hand, das zeigt der Lebensweg des Truman Capote. "Truman war ein Genie, und Genies sind selten glücklich", sagt der Autor Bob Colacello über den wohl schillerndsten Schriftsteller, den Amerika hervorgebracht hat. Mit dem Roman "Frühstück bei Tiffany" (1958) wurde er landesweit bekannt, mit "Kaltblütig" ("In Cold Blood") 1966 weltweit berühmt, auch weil er mit der Geschichte über einen grausamen Mord an einer Farmerfamilie endgültig ein literarisches Genre schuf: den Tatsachenroman. Zum 50. Jahrestag des Erscheinens von "Kaltblütig" zeigt Arte den Spielfilm "Capote", für den Philip Seymour Hoffman 2006 sehr zu recht einen Oscar und einen Golden Globe erhielt, sowie eine Dokumentation über Aufstieg und Absturz des Exzentrikers.

Als er nicht mehr schreiben konnte, wollte er nicht länger leben

Ärmliche Herkunft, ein Meter sechzig klein, sehr hohe Stimme, offen schwul - Capote war klar, dass er nur als Paradiesvogel Zugang in die feine Gesellschaft finden würde. "Ich bin Truman Capote, ich bin seltsam, aber ihr werdet mich mögen" - mit diesen Worten pflegte er sich auf New Yorks Partys vorzustellen. Er liebte die Rolle des Hofnarren, und die Gesellschaft liebte ihn zurück. Als Homosexueller konnte er mit den Damen des Ostküstengeldadels ungeniert flirten. Sie vertrauten dem hochintelligenten Knirps ihre Geheimnisse an - später wurde ihnen ihre Arglosigkeit zum Verhängnis, so wie Capote auch.

Der enorme Erfolg von "Kaltblütig" stieg ihm zu Kopf, Drogen, Alkohol, Medikamente wurden seine täglichen Begleiter. "Schreiben ist die einsamste Tätigkeit, die es gibt, und sie macht dich krank", gestand er einmal. Nach einer längeren Schreibkrise packte er mit "Erhörte Gebete" seine gesammelten Indiskretionen aus der High Society aus. Die brach mit ihm, Capote gab sich seinen Depressionen hin. "Als er nicht mehr so schreiben konnte wie früher, wollte er nicht länger leben", sagt ein Weggefährte über ihn. 1984, mit 59 Jahren, erlag Capote seiner Drogen- und Medikamentensucht.

Die Dokumentation zeichnet sein tragisches Leben anschaulich nach. Filmjournalist Adrian Stangell hat viel Archivmaterial zusammengetragen, Weggefährten, Verleger, Nachlassverwalter interviewt. Es gibt Interview-Auszüge mit Capote, und wo es an Bildern mangelt, gibt es, ganz neumodisch, Inszenierungen mit Graphic-Novel-Elementen. Ob das immer passt, ist Geschmacksfrage. Eigentlich führt der Schriftsteller Daniel Kehlmann durch diesen Film, aber seine Rolle bleibt seltsam blass. Gegen den schillernden Capote kommt eben niemand an.

Ein Abend mit Truman Capote, Arte, ab 20.15 Uhr

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