bedeckt München 26°

Moderator Armin Wolf:"Manche Leute neiden einem sogar das Eingesperrtsein"

Armin Wolf

"Home-Office ist schon nicht super, aber Office-Home ist gar nicht super."

(Foto: picture alliance / Jeff Mangione)

Der ORF sendet derzeit aus einem Quarantäne-Studio. Moderator Armin Wolf über seine Zeit in der Isolation, Zuschauerreaktionen und kritische Nachfragen in der Corona-Krise.

Interview von Peter Münch

Der ORF sendet seine Nachrichten derzeit aus einem Quarantäne-Studio. Das Personal arbeitet nicht nur in freiwilliger Selbstisolation auf dem Gelände des Senders, sondern lebt dort auch. ZiB2-Moderator Armin Wolf hat seine Infozelle nun nach zwei Wochen verlassen.

SZ: Viele arbeiten derzeit zu Hause, Sie sind in Ihr Büro gezogen. Wie war's?

Armin Wolf: Home-Office ist schon nicht super, aber Office-Home ist gar nicht super. Es ist wahnsinnig anstrengend, weil es gefühlt keine Ruhepausen gibt. Aber gleichzeitig ist die Zeit unglaublich schnell vergangen.

In der Isolation hat ein Team von fast 70 Leuten gelebt. Wie war die Stimmung, war das wie im Gefangenenlager?

Es war fast unwirklich, weil ja die Menschen draußen fast gar keine Sozialkontakte haben, während wir da drinnen andauernde Sozialkontakte hatten. Aber die Stimmung war durchgehend extrem angenehm. Ich hatte ja eigentlich damit gerechnet, dass es nach fünf Tagen die erste Schreierei und nach sieben Tagen dann die erste Schlägerei gibt. Doch alle waren freundlich und konstruktiv. Mehr als 50 Leute haben jetzt sogar freiwillig verlängert.

Wie war die Reaktion von Zuschauern?

Ich habe täglich 300 bis 400 Mails bekommen. Es gab 98 Prozent Zuspruch, und es gab ein paar Narren, die sich über ein "Ferienlager auf Gebührenkosten" empört haben. Manche Leute neiden einem sogar das Eingesperrtsein im Büro.

Hat sich in Corona-Zeiten außer dem Berufsalltag auch die Berichterstattung geändert? Müssen alle zusammenhalten in der Krise und weniger kritisch sein?

Am Anfang war das tatsächlich schwierig, da gab es ein Gefühl des großen kollektiven Zusammenhalts - und dass man das nicht hinterfragen darf. Als ich im ersten Interview mit dem Bildungsminister zur Schließung der Schulen kritische Fragen gestellt habe, kamen unfassbar viele böse Mails von Zuschauern. Aber das hat sich wieder verändert und es ist klar geworden, dass man die sehr weitgehenden Eingriffe in unser Alltagsleben und unsere Grundrechte auch kritisch diskutieren muss.

Auf was haben Sie sich in der neuen Freiheit am meisten gefreut?

Auf meine Frau und meine Familie.

Werden Sie in zwei Wochen wieder antreten zur nächsten Isolationsschicht?

Wenn es notwendig ist ja.

© SZ vom 11.04.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite