ARD-Wahlarena mit Peer Steinbrück Wo Merkel sich nicht festlegen wollte, will Steinbrück Gesetze machen

Oder der Rechtsanwalt in der ersten Reihe, der von sich sagt, dass er nach Steinbrücks Einschätzung "zu der Gruppe der Besserverdienenden" gehöre. Wo er sich aber überhaupt nicht sehe. Und dass es ungerecht sei, wenn Menschen wie er dazu gezwungen würden, "uns am Gemeinwohl zu beteiligen. Wir geben unser Geld lieber selber aus."

Steinbrück kontert auch ihn aus. Als verheirateter Mann müsse er schon 200.000 Euro im Jahr verdienen um von den rot-grünen Steuerplänen überhaupt betroffen zu sein. 200.000 Euro im Jahr - so viel Geld dürften auch in diesem Studio die Wenigsten nach Hause bringen. Der Rechtsanwalt gehört also wohl zu denen, für die Steinbrück einige wenige Steuern erhöhen will.

In Bildung, Infrastruktur, Kommunen und Schuldenabbau soll das Geld gehen. Das sichere er zu, sagt Steinbrück. Er wolle "wieder stärker das Wir und weniger die Ellenbogen in die Mitte der Politik stellen". Der Anwalt sitzt jetzt ziemlich alleine da.

Das zieht sich durch beinahe alle Themen, die von den Gästen angesprochen werden. Missbrauch von Leiharbeit, von Befristungen, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gleiche Bezahlung von Männern und Frauen. Wo Merkel sich nicht festlegen wollte, will Steinbrück Gesetze machen.

Je mehr er darüber sprechen kann, desto öfter löst er sich von dem runden Plexiglaspult, gestikuliert, wandert um das Pult herum, schaut die Menschen an, die rund um ihn herum sitzen. Souverän wirkt er. Aber es gibt ja auch nicht mehr all zu viel zu verlieren. Nach Lage der Dinge kann er nur noch gewinnen. So unwahrscheinlich ist es, dass er es tatsächlich ins Kanzleramt schafft.

Das zeigt auch die eine Frage, die er nicht konkret beantworten will. Mit wem will er regieren, wenn es nicht für Rot-Grün reicht, fragt ein Studiogast. Also: lieber große Koalition oder Rot-Rot-Grün? "Für welche würden Sie sich entscheiden?", wird Steinbrück gefragt.

Der Kandidat weicht aus: "Sie haben vielleicht Verständnis, dass ich jetzt für Rot-Grün kämpfe", sagt er. Der Fragesteller sieht nicht danach aus, als ob er für diese Antwort Verständnis hat. Also erklärt Steinbrück: Die große Koalition habe er schon gehabt, das will er nicht noch mal. Und mit den Linken "werde und kann ich nicht regieren". Auch nicht mit einer Tolerierung.