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ARD:Volker Herres hört auf

Volker Herres

Volker Herres, bis Ende April 2021 noch ARD-Programmdirektor.

(Foto: Oliver Berg/picture alliance/dpa)

Der Programmdirektor des Ersten kündigt an, sein Amt im April vorzeitig abzugeben. Es ist einer der wichtigsten Posten in der ARD.

Von Claudia Tieschky

Der Programmdirektor des Ersten, Volker Herres, gibt Ende April 2021 seinen Posten vorzeitig ab. Herres teilte an diesem Dienstag mit, er wolle ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Vertragsende sein Amt zur Verfügung stellen, denn "in meiner Lebensplanung hatte ich immer die Absicht, noch mit 63 in dieser Funktion aufzuhören." Ende April käme das "dann gerade noch so hin", so Herres, der im Juli 2021 dann 64 wird. Die Mitteilung bedeutet vor allem, dass die ARD für einen ihrer wichtigsten Posten wohl bald eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger präsentieren wird - vermutlich bereits nach der Sitzung der Intendanten, die am Mittwoch endet. Als Favoritin gilt Christine Strobl, die Geschäftsführerin der ARD-Produktionstochter Degeto.

Die in München ansässige Programmdirektion des Ersten befindet sich in einem grundlegenden Umbau, für die der bisherige Chef der Jugendplattform Funk, Florian Hager, zu Jahresbeginn als Herres' Stellvertreter berufen wurde. Mit zum Verantwortungsbereich gehört die ARD-Mediathek, die ausgebaut wird. Die rechtlichen Grundlagen erlauben dort inzwischen "eigenständige audiovisuelle Inhalte", was etwa auf Web-Kanäle als Alternative zum linearen TV hinauslaufen könnte. Herres erklärte, ihm liege daran, diese "ganz wichtige Weichenstellung" bis April noch weiter auf den Weg zu bringen. Neben der Gestaltung des Ersten Programms gehe es darum, "gleichwertig einen für möglichst viele Nutzer attraktiven Abruf- und Streamingdienst anzubieten".

Herres ist seit 2008 Programmchef des Ersten. Er steht für eine spannungsreiche Mischkalkulation aus Quote und gesellschaftlich-künstlerischem Auftrag im Programm - wobei in den vergangenen Jahren unter dem Rechtfertigungsdruck der Öffentlich-Rechtlichen eine stärkere Wertschätzung für gesellschaftlich wichtige Themen zu beobachten war. Wegweisend war die Entwicklung der Serie Babylon Berlin in Kooperation mit dem Bezahlsender Sky, ohne den die Finanzierung der international gefeierten Produktion nicht möglich gewesen wäre. In den vergangenen Jahren wurde aus ARD-Kreisen immer wieder Kritik am Programmchef nach außen getragen, was ihn aber nicht anfocht: Wenn man von allen nur beklatscht werden will, sei man auf dem Posten verkehrt, sagte Herres der SZ nach seiner Vertragsverlängerung im Jahr 2017.

Am Dienstag erklärte er, er sei "sicher, die Intendantinnen und Intendanten werden eine erstklassige Lösung zeitnah beschließen". Herres kommt vom Norddeutschen Rundfunk, wo er Chefredakteur und später Programmdirektor war. Als Moderator des Presseclubs, den er seit 2007 im Wechsel mit Jörg Schönenborn präsentiert, will er weitermachen.

© SZ/ebri
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