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ARD-Talkrunden:Und täglich grüßt der Kachelmann

Heute bei Maischberger, morgen bei Plasberg: Damit nicht alle Talkshow-Runden an unterschiedlichen Tagen über dasselbe Thema reden, stellt die ARD die fünf Talkshows im Ersten von Herbst an unter Aufsicht. Denn einmal pro Woche Kachelmann genügt.

Die offizielle Themenwoche der ARD mit dem Titel "Der mobile Mensch" endete am vorigen Sonntag mit der Talkshow von Anne Will. "Wir kucken auf Menschen, die heute hier und morgen dort arbeiten sollen", leitete Will ein. Mit solchen Beschäftigten muss sich die ARD in Zukunft auch im eigenen Programm auseinandersetzen. Schließlich treten einige der üblichen Talkshow-Bewohner gern heute hier und morgen dort als Gäste auf - und das Erste zeigt von September an gleich an fünf Tagen Gesprächssendungen in einer sogenannten Talkschiene um 22.45 Uhr, wobei die Moderatoren um das Thema der Woche und die passenden Gäste konkurrieren, im Zweifel auch alle um dasselbe.

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Fünfmal die Woche ein und derselbe Skandal? Das soll es in der ARD nicht mehr geben.

(Foto: dpa)

Solche inoffiziellen Themenwochen können zum Beispiel beginnen wie an diesem Dienstag mit dem Freispruch für den Wettermoderator Jörg Kachelmann am Landgericht Mannheim. Der öffentlich-rechtliche Redebetrieb reagierte mit Klumpenbildung; zusätzlich zu zahlreichen Sonderberichten in ARD und ZDF kündigten für Dienstagabend Sandra Maischberger im Ersten ("Hat die Wahrheit gesiegt?") und Markus Lanz im Zweiten Gesprächsrunden zum Thema an. Frank Plasberg wollte bei Hart aber fair am Mittwoch darüber reden ("Freispruch vor Gericht, aber lebenslänglich vor der Öffentlichkeit?") und im ZDF war Maybrit Illner bereits vorige Woche mit dem Fall befasst. Auf den Gästelisten stehen ereignistypisch Juristen, Journalisten, Schweizer, Doppelungen wurden vermieden. Das bislang eindrucksvollste TV-Dauerredethema im gebührenfinanzierten Talkprogramm aber war zweifellos die Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg im Februar. Rund um den Rücktritt des CSU-Verteidigungsministers tagten TV-Runden bei Anne Will, Sandra Maischberger, Frank Plasberg (zwei Mal) und Maybrit Illner. Nur Reinhold Beckmann fragte damals - in einer übrigens bemerkenswerten Sendung - nach dem neuen Wutbürger.

Offenbar hat man in der ARD nun erkannt, dass Appelle nicht ausreichen werden um zu verhindern, dass alle dasselbe machen. Von Herbst an soll daher Chefredakteur Thomas Baumann als Koordinator der Talks zum Einsatz kommen. Baumann, 49, wird von München aus bei Planung und Gästelisten wohl eingreifen, wenn er Probleme sieht - auch bei den Sendungen von Maischberger und Beckmann, die formal der Abteilung Unterhaltung unterstehen. Das soll die Vielfalt im ARD-Dauergerede sichern, die von der Senderaufsicht und der Politik verlangt wird, seit die Intendanten die umstrittene Talk-Schiene beschlossen. Dort wird Günther Jauch künftig immer sonntags einen neuen Polittalk moderieren, Plasberg, Maischberger, Will und Beckmann folgen an den Wochentagen.

Der SZ sagte Baumann, es sei "sicher nicht wünschenswert, dass wir künftig in fünf Gesprächssendungen das gleiche Thema haben". Aber Baumann weiß auch, dass er kaum Abstinenz verordnen kann. Wenn eine Debatte das öffentliche Interesse ganz besonders beherrsche, sagt er, "dann kann es auch in Zukunft sein, dass sich im Ersten zwei oder drei Gesprächsformate hintereinander damit befassen". Allerdings müsse klar sein, dass die Sendungen "mit verschiedenen Akzentuierungen" an das Thema herangehen und "unterschiedliche, interessante Gäste" hätten.

Man wird das so verstehen, dass im Zweifel die Talk-Redaktionen Baumann überzeugen müssen, dass ihr Ansatz eine sinnvolle Erweiterung bringt.

Eine Rolle spielt auch, wie sich die Konzepte der Gesprächssendungen künftig unterscheiden. Bei Anne Will, die als erste der ARD-Moderatoren aus der Sommerpause zurückkehrt und ihre neue Mittwochs-Sendung am 31. August startet, könnten neben der großen Gesprächsrunde auch Einzelinterviews eine Rolle spielen, hört man. Günther Jauch wiederum, der am 11. September als Sonntagsmann der ARD antritt, könnte sein didaktisches Talent mit einem entsprechenden Konzept ausspielen. Details will die ARD Mitte Juli mitteilen, derzeit wird noch - geredet.

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