ARD: Scholl, Delling und Beckmann:Eine neue Fußballrunde

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Die ARD verabschiedet Netzer, der noch auf Sendung ist.

Christopher Keil

Eine ganze Weile sah es so aus, als würde die ARD ihrem treuen Fußballexperten Günter Netzer, 65, einen sanften Abschied bereiten. Seit 1998 analysiert Netzer die Spiele der deutschen Nationalmannschaft. An diesem Freitag wird er auch das Viertelfinale der Holländer gegen Brasilien bewerten. Erst nach dem WM-Finale ist Schluss. Doch die ARD, sein ebenso treuer Arbeitgeber, blickt bereits sehr in die Zukunft. An diesem Mittwoch verbreitete sie: "Live-Fußball im Ersten künftig mit Beckmann, Delling und Scholl".

Pressekonferenz von ARD und ZDF zur Fussball-WM 2010

 Moderator Gerhard Delling (v.l.), Medienunternehmer und Fussballkommentator Guenther Netzer, der ehemalige Fussballspieler Mehmet Scholl und Moderator Reinhold Beckmann.

(Foto: ag.ddp)

An der Mitteilung verblüfft, dass ARD-Programm-Chef Volker Herres den von ihm stets geschätzten Netzer vorzeitig verabschiedet ("Bei Günter Netzer möchte ich mich für dreizehn gemeinsame, sehr erfolgreiche Jahre ganz herzlich bedanken. Er hat einen klasse Job gemacht"). Andererseits verrät die Meldung, wie politisch die Neuordnung ist. Gerhard Delling, 51, mit Netzer vor zehn Jahren Grimmepreisträger, wird sich nicht mehr allein auf seine Nationalmannschaftsauftritte verlassen können.

Talkshow-Master Reinhold Beckmann, 54, Mehmet Scholls Hauptpartner bei internationalen Länderspielen, wird nun auch bei deutschen Länderspielen eine Bühne bekommen - mit Scholl, so beim ersten Länderspiel nach der WM, in dem die Deutschen auf Belgien treffen werden. Delling soll zunächst mit Scholl (39, ARD-Vertrag bis 2012) den Supercup in der Bundesliga-Vorbereitung betreuen, Beckmann und Scholl sind dann im ersten Saisonspiel 2010/2011 zu sehen, in dem auf jeden Fall Meister Bayern München mitwirken wird.

Die Entscheidung von Herres, Beckmann/Scholl nicht zu trennen, ist richtig. In Südafrika waren sie das beste Moderatorenexperten-Paar aller übertragenden Sender, vermutlich auch das mit der größten Akzeptanz beim jungen Publikum. Jürgen Klinsmann entzauberte sich bei RTL, Oliver Kahn ist beim ZDF stärker als seine von Fußballkenntnis unbelastete, aber nette Stichwortgeberin Katrin Müller-Hohenstein.

Sportschau-Moderator Beckmann dagegen, dem seine Biografie hilft (u.a. Erfinder der Sat-1-Fußball-Marke ran), wurde an der Seite Scholls locker. Scholl behielt an der Seite Beckmanns seine Natürlichkeit und konnte sein Fachwissen ungebremst einbringen. Beide reisten bereits nach Deutschland zurück und verbringen gerade - getrennt - Freizeit.

Und Günter Netzer? Wünschte sich einen leisen Abschied. Er wird ihn sich nehmen.

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