ARD-Reporter Robert Hetkämper Er wollte raus

Auch innenpolitisch hat Hetkämper als Journalist aufregende Zeiten miterlebt. Vom Posten des ARD-Studioleiters in Tokio wechselte er 1992 für drei Jahre ins Amt des Chefredakteurs beim NDR Fernsehen. In diese Zeit fiel die Aufarbeitung der Barschel-Affäre und der Rücktritt des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Björn Engholm. Als der Hoffnungsträger der Sozialdemokratie am 3. Mai 1993 als Ministerpräsident, Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat abtrat, sprach Hetkämper den Kommentar in den Tagesthemen.

Obwohl es nicht unturbulent zuging im Norden Deutschlands, war Hetkämper "bald klar, dass mir die Arbeit draußen mehr zusagt", vor allem behagte es ihm nicht, Personalsparmaßnahmen exekutieren zu müssen. Es gibt aber einen Link zwischen dem Sendermanager und dem Auslandsberichterstatter Hetkämper. Als er Chefredakteur in Hamburg war, überzeugte er die Kollegen in der ARD davon, das unterhaltende Land-und-Leute-Format Weltreisen einzuführen, um für die Korrespondenten in aller Welt ein zusätzliches "Fenster" zu schaffen, wie er sagt.

Die Sendung, in der auch die Gesichter Asiens zu sehen sind, lief bisher samstags um 16 Uhr. Von diesem Wochenende an wird der nach Fernweh riechende Titel Weltreisen aber Geschichte sein. Die ARD fusioniert die Sendung Exclusiv im Ersten (überwiegend Inlandsreportagen, bisher 15.30 Uhr) und Weltreisen zu Reportage im Ersten. Am kommenden Samstag läuft - dann ab 16.30 Uhr - erstmals ein Film unter dem neuen Label. Die "Schlagzahl" der Korrespondentenberichte werde "um ein Drittel" reduziert, sagt ARD-Chefredakteur Thomas Baumann. Dass der Senderverbund die Reform nur wenige Tage nach dem Pensionsbeginn jenes Mannes umsetzt, der die Weltreisen quasi erfunden hat, ist natürlich Zufall.

Bahnhof verstehen

Die ARD baut um, "um die Kleinteiligkeit des Programmschemas im Ersten an Wochenendnachmittagen zu überwinden", sagt Baumann. Den Eindruck, die ARD fahre die Auslandsberichterstattung zurück, will er nicht aufkommen lassen. Schließlich sei man gerade dabei, Weltspiegel extra zu "etablieren". Unter dem Label sollen, in der Regel nach den Tagesthemen, vermehrt aktuelle Auslandsreportagen laufen. Im August kam das Format dreimal zum Einsatz, außerdem am Dienstag dieser Woche ("Mörderischer Ukrainekrieg").

Die Veränderungen im Programm wird der Pensionär Hetkämper von Bangkok aus beobachten. Eine Wohnung hat er dort bereits bezogen. Wie andere pensionierte Journalisten wird sich Hetkämper keineswegs ganz aus der Öffentlichkeit verabschieden. Features für den NDR will er weiterhin produzieren. Als Zweitwohnsitz für den Lebensabend hat er sich das oberbayerische Schleching ausgeguckt.

Hetkämper, der gebürtige Westfale, der beim Norddeutschen Rundfunk angestellt war und den größten Teil des Jahres auch künftig in Asien verbringen wird, hat eine "Affinität" zu Bayern, seit er als Oberbayern-Reporter für den Hörfunk des BR gearbeitet hat. Das war in den späten Siebzigerjahren. "Ich kenne in der Gegend noch ein paar Marktplätze und Bahnhöfe", sagt er.