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ARD-Reportagereihe:Mitten im Programm

Hochwertige Reportagen statt "Hart aber fair": Die ARD räumt ihren Politmagazinen mehr Sendeplatz ein. Nicht nur während des Sommers.

Es gibt Geschichten, die kann man nicht in fünf oder sechs Minuten erzählen. Bei solchen Themen stoßen die Politmagazine der ARD mit ihren klassischen Mitteln an Grenzen. Die werden nun gesprengt. "Ich habe sehr um diese Sommerstaffel gekämpft", sagt Stephan Wels, der beim NDR die Redaktion Panorama leitet. Die Sommerstaffel von "ARD-exclusiv", das sind fünf 30-minütige Reportagen aus den Politmagazin-Redaktionen der ARD, vier davon mittwochabends auf Frank Plasbergs altem Hart aber fair-Sendeplatz.

ARD "Panorama"

Mit der Reihe "ARD-exclusiv" sprengen die ARD-Politmagazine die Grenzen ihrer klassischen Mittel: die "Panorama"-Reporter Thomas Berndt, Anja Reschke und Volker Steinhoff (v.l.n.r.).

(Foto: NDR)

Panorama verfolgt für diese Reihe die mitunter wundersamen Wege ehemaliger Regierungsmitglieder in die Privatwirtschaft: Rot-Grün macht Kasse. Der Report Mainz (SWR) hat über Altersarmut sowie über Massentierhaltung am Beispiel des Geflügelzüchters Wiesenhof recherchiert. Es geht in diesen Filmen im Grunde immer um Images und die Wirklichkeit dahinter. Diese Staffel mit langen Reportagen sei eine Chance, sagt die Report-Mainz-Redaktionsleiterin Birgitta Weber, "auf die gebündelte Recherchekraft der Politmagazine aufmerksam zu machen". Und, so ihr Report-München-Kollege Stephan Keicher, "Themen, an denen wir schon immer dran sind, ausführlich darzustellen".

Es gibt einen festen Sendeplatz für "ARD-exklusiv": sonntags, 13.15 Uhr. Der Report München muss mit seiner Reportage über Onlinekriminalität auf diesen Platz ausweichen, kommenden Mittwoch hat mal wieder ein Fußballfreundschaftspiel den Vorzug bekommen. Sonntagmittag jedoch ist eine Zeit fürs Familienfernsehen und eher keine für investigative journalistische Inhalte. "Dieser Sendeplatz am Sonntag ist nicht ideal, aber wir akzeptieren ihn", sagt Thomas Baumann, ARD-Chefredakteur. Für die Reportagen der Staffel gilt aber, dass sie am Sonntag verschenkt wären. Jörg Schönenborn, Chefredakteur des WDR, sagt: "Das ist klassischer Journalismus, und der gehört in die Mitte des Programms." Die WDR-Redaktion Monitor stellt das soziale Engagement des Unternehmers Michael Otto und das Geschäftsgebaren des zu seiner Gruppe gehörenden Paketdienstes Hermes gegenüber.

"Es ist wichtig", so Schönenborn, "den Politmagazinen dieses Tor zu öffnen." Auch wenn ein wöchentlicher Sendeplatz am Hauptabend für lange Reportagen illusorisch ist. "Aber die Vergangenheit lehrt, dass es zusammen mit Programmdirektor Volker Herres immer möglich sein wird, dort Sendeplätze zu finden, wenn hochwertige, investigative Reportagen von den Magazinredaktionen angeboten werden", sagt Chefredakteur Baumann. Die Sommerstaffel, da ist er sich mit den Leitern der Politmagazine einig, soll keine einmalige Angelegenheit bleiben. Und er verspricht: "Im neuen Programmschema von September an haben Dokumentationen montags um 22.45 Uhr einen Platz. Dieser steht durchaus auch für hochwertige Reportagen zur Verfügung."

Das Hermes-Prinzip, 21.45 Uhr. - Angriff aus dem Netz, 7. August, 13.15 Uhr. - Rot-Grün macht Kasse, 17. August, 21.45 Uhr. - Alt, arm, arbeitslos, 24. August, 21.45 Uhr. - Das System Wiesenhof, 31. August, 21.45 Uhr. Alle ARD.

© SZ vom 03.08.2011/caja

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