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ARD-Reihe "Die Füchsin":Stasi-Spionin wird Privatdetektivin

ARD-Reihe "Die Füchsin"; Lina Wendel und Torsten Michaelis

Olaf Ruhleben (Torsten Michaelis) versucht seine frühere Mitarbeiterin Anne Marie Fuchs (Lina Wendel) für seine Sicherheitsfirma anzuwerben.

(Foto: WDR/Martin Rottenkolber)

Die Idee der neuen ARD-Reihe "Die Füchsin" klingt vielversprechend. Doch die Auftaktepisode funktioniert überhaupt nicht.

Eine Frau, die früher als Stasi-Spionin im Westen gearbeitet hat, wird Privatdetektivin. Klingt erst mal ganz vielversprechend, was da am Donnerstagabend in der ARD anläuft. Ralf Kinder, Drehbuchautor von Die Füchsin, sagt, er wolle eine Figur erzählen, die "in die Bundesrepublik gegangen und im vereinigten Deutschland nie angekommen ist". Seine Protagonistin heißt Anne Marie Fuchs, Hartz-IV-Empfängerin in Düsseldorf.

In der Auftaktepisode "Dunkle Fährte" stellt die Ex-Agentin ihre Methoden aus der Vergangenheit in den Dienst des Guten: Der Bruder der Barbesitzerin, bei der die Arbeitslose gern anschreiben lässt, wird vermisst. Und sein bester Freund ist erschlagen aufgefunden worden. Fuchs forscht nach - parallel hat sie eine Rechnung mit ihren alten Verbindungsleuten offen. Nach ihrem Stasi-Ausstieg sind sie und ihre Familie offenbar auch Opfer des Apparats geworden. Davon erzählen Rückblenden und hallende Stimmen aus dem Off.

Formelhafte Dialoge und unnötige Klischees

So weit, so ideenreich. Nur leider funktionieren die guten Einfälle im Zusammenspiel überhaupt nicht. Die erste halbe Stunde fällt es schwer, vor lauter Rascheln der Drehbuchseiten in die filmische Illusion einzutauchen. Dazu ist die Story zu konstruiert: Wäre die Kaffeemaschine nicht kaputt gegangen, wäre die Füchsin nicht im Gebrauchtwarenladen von Youssef gelandet. Wäre Youssef nicht zufällig der Mann der Barbesitzerin, hätte diese im Laden nicht lautstark vom Verschwinden ihres Bruders erzählt. Und so weiter und so fort - ein Zufall weniger und der Kartenhaus-Plot würde in sich zusammenfallen.

Dazu kommen formelhafte Dialoge. Youssef, der bald als Watson von Sherlock Fuchs fungiert, muss Sätze sagen wie diese: "Die meisten Menschen, die mit ihrem Auto ein Ziel erreicht haben, steigen dann aus. Sie können das ja nicht wissen, Sie haben ja kein Auto." Dem smarten Olaf Ruhleben, früher Fuchs' Stasi-Verbindungsmann, heute Überwachungs-Dienstleister, wird in den Mund gelegt: "Aber die Demokratie hat uns vorangebracht. Heute sind wir nicht mehr die Bösen. Heute wollen die Leute Sicherheit."

Dazwischen werden aus unerfindlichen Gründen Klischees aufgeworfen: Gebrauchthändler Youssef, der Fuchs bei ihren Ermittlungen unterstützt, reitet ständig darauf herum, dass er ja Araber sei - ohne dass sich irgendwer auf dieses Spielchen einlässt.

Letzte Chance

Wobei den Darstellern kein Vorwurf zu machen ist. Die meisten Figuren hätten Potenzial, wenn das Drehbuch sie nicht immer wieder Pointen oder platten Zeitdiagnosen opfern würde.

Nun sind natürlich schon andere gute Serien kraus gestartet. Vielleicht gilt ja für die erste Episode einer so ambitionierten Erzählanlage das, was die Füchsin zu ihrer kaputten Kaffeemaschine sagt: "Gut, jedes Ding hat eine Seele. Du bekommst jetzt noch genau eine Chance."

Die Füchsin, ARD, 20.15 Uhr