ARD-Programmdirektor über Xavier Naidoo "So ist das alles sehr unglücklich gelaufen"

Xavier Naidoo mit seiner Band "Söhne Mannheims" in Mannheim

(Foto: dpa)
  • Nach nur zwei Tagen hat der NDR die Nominierung von Xavier Naidoo für den Eurovision Songcontest zurückgezogen - die Entscheidung war im Netz auf heftige Kritik gestoßen.
  • Auch von ARD-Programmdirektor Volker Herres gibt es jetzt Kritik: Naidoos Nominierung hätte man vor Bekanntgabe intern diskutieren müssen.

Die Wucht der Reaktionen habe sie überrascht, sagt NDR- Programmleiter und ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber, nachdem er nach nur zwei Tagen die Entscheidung, Xavier Naidoo zum Eurovision Songcontest zu schicken, zurückzog.

Hätte Schreiber sich mal mit Volker Herres, dem Programmdirektor der ARD, unterhalten. Der hätte "die Wucht" vielleicht vorhergesehen - und distanziert sich jetzt in der Welt am Sonntag ganz deutlich von der Entscheidung, Naidoo zu nominieren.

"Alles sehr unglücklich gelaufen"

"Die Nominierungsentscheidung liegt beim NDR, der den ESC allein verantwortet und in das ARD-Gemeinschaftsprogramm einbringt", sagte Herres der Zeitung. Der Sender habe die Entscheidung offenbar getroffen, ohne sich vorher zu beraten. Von homophoben und rechtspopulistischen Zügen des "Ausnahmekünstlers", wie es in der Mitteilung zu Naidoos Nominierung hieß, will Schreiber nichts gewusst haben. Auch da hätte Herres möglicherweise helfen können: "Xavier Naidoo hat mehrfach Äußerungen getätigt, die man nicht gutheißen kann und missbilligen muss", zitiert ihn die Welt am Sonntag. Ob ihn das als begnadeten Künstler für eine Teilnahme am ESC disqualifiziere, sei eine Frage, die man kontrovers diskutieren müsse. "Ich hätte es begrüßt, wenn diese Diskussion ARD-intern hätte geführt werden können, bevor mit der Nominierung Fakten geschaffen wurden. So ist das alles sehr unglücklich gelaufen", so der Programmdirektor.

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Der Sänger sei "weder Rassist noch homophob", wird der ARD-Unterhaltungskoordinator zitiert. Aber: "Die laufenden Diskussionen könnten dem Eurovision Song Contest ernsthaft schaden."

Nun wolle man möglichst bald entscheiden, wie es weitergehen soll und wer an Naidoos Stelle zum ESC nach Stockholm fahren soll.

Naidoo hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen ausgelöst - etwa, als er am Tag der Deutschen Einheit 2014 vor rechtspopulistischen "Reichsbürgern" sprach, die Deutschland nicht als souveränen Staat anerkennen. 2012 rief der Text des Liedes "Wo sind sie jetzt" von Naidoo und Kool Savas, also Duo unter dem Namen "Xavas", Ärger hervor - er wurde als homophob kritisiert.

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Unterstützung von Pur und Til Schweiger

Unterstützung bekam der 44-jährige Mannheimer mit indischen und afrikanischen Wurzeln unterdessen von einigen Künstlerkollegen. "Xavier Naidoo ist ein sensationell guter Musiker und Freund. Er ist einer der besten Sänger und Songwriter den es in Deutschland gibt - ein großartiger Künstler", postete Pur-Sänger Hartmut Engler auf Facebook. Es sei erschütternd, wie mit einem der größten deutschen Sänger, "der auch als Mensch einer der liebsten, lustigsten und gutmütigsten Menschen im Showbusiness ist", umgegangen werde, schrieb Schauspieler Til Schweiger bei Facebook.

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