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ARD-Produktionsfirma Degeto:Vom Set zurück zum Aktenberg

ARD-intern wird von einer "Programmhalde" gesprochen, die von der Degeto in Maßen gefüllt werden müsse. Ein geringer Überhang sei erwünscht, weil Sendungen regelmäßig verschoben und die Programmflächen dann spontan alternativ bestückt werden müssen. Doch Jurgan, so ein hochrangiger ARD-Manager, habe "die Halde verhökert". Ein finanzieller Schaden sei der ARD nicht entstanden, eher ein künstlerischer, ein strategischer. Die Intendanten seien verärgert.

Wollte sich Jurgan, bevor Reitz in die Degeto-Geschäftsführung einstieg, noch ausreichende Produktionszuständigkeiten sichern? Die Aufgabenteilung mit Reitz sieht angeblich vor, dass Jurgan sich künftig wieder überwiegend um das Kaufmännische der Degeto kümmern soll. Dass er als Geschäftsführer gerne vor Ort war, vor Ort in Sri Lanka oder Thailand, ist auch bei Intendanten zunehmend ein Thema gewesen. Was überwachte Jurgan auf den Sets? Zumal, wie er sagte, die Reisen auf ARD-Kosten kein Vergnügen gewesen seien: Nach seiner Rückkehr ins Büro habe er Aktenberge auf dem Schreibtisch vorgefunden.

Dass Jurgan jetzt die Degeto-Investitionen umfassend bilanzieren und seine Auftragsvergabe begründen soll, hat sich bei kreativen Partnern der Degeto bereits bemerkbar gemacht. Jedenfalls sind nicht wenige in der deutschen und österreichischen TV-Branche gerade aufgeregt. So sollen Degeto-Projekte, die in der Entwicklung stünden, quasi gestoppt sein, weil es derzeit keine Gespräche mehr gebe. Degeto-Projekte, die zum Drehstart bereit stünden, sollen auf zugesagte, fällige Raten warten. Und Degeto-Projekte, die als Mehrteiler verabredet worden seien, möglicherweise noch ohne konkreten Inhalt, allerdings mit der Absicht, im Ausland an exotischen Plätzen zu drehen, sollen infrage stehen.

Vielleicht stimmt das so, vielleicht in einer etwas anderen Form. Es geht aber auch ums Geld. Schon vor Monaten hatte ARD-Programmchef Volker Herres, 54, verkündet, dass gespart werden müsse, ob nun im Sport-Etat oder beim Melodrama. Die Degeto - wie alle Aggregate der föderalen ARD - kann künftig mit eher weniger als mehr Etat rechnen. Zwar beginnt 2013 eine neue Gebührenperiode, doch eine Gebührenerhöhung wird es nicht geben. Gleichzeitig mutet sich das Erste wie viele Fernsehveranstalter zu, vom Gleichen immer mehr auszuhalten, digitale Angebote beispielsweise.

Andererseits erhalten ARD und ZDF jährlich fast sieben Milliarden Euro für ihren Programmauftrag. Es hat den Anschein, als würde man den bei der Degeto nun auf einmal ganz genau untersuchen. Udo Reiter, der Intendant des MDR und Aufsichtsratsvorsitzender der Degeto ist, sagt: Jurgan habe nicht unkontrolliert gehandelt. Möglicherweise habe er nur "zu kräftig geplant".

Auch der 65-jährige Reiter, der seinen Ruhestand anstrebt, hat kräftig geplant, als er Bettina Reitz für die Degeto-Geschäftsführung vorschlug. Ihr Engagement, ihre Verpflichtung auf die inhaltliche Ausrichtung der mächtigen ARD-Produktionstochter, hat Jurgan automatisch den Platz im Management zugewiesen: als oberster Buchhalter. Dass er auf dieser Position so bald gefordert sein würde, war im Mai allerdings nicht erwartet worden.

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