ARD-Krimi Zur Not säuft Faber andere unter die BVB-Bettdecke

Kommissar Kossik (l.) wagt die Revolution - und hängt Faber eine Dienstaufsichtsbeschwerde an. Dafür muss er am Tresen büßen.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Leicht kann man der Handlung im Tatort "Zahltag" nicht folgen - es geht um interne Ermittlungen und Loyalität. Aber wer das Dortmunder Team mag, wird trotzdem beeindruckt sein.

TV-Kritik von Holger Gertz

Zwei Strängen folgt die Episode "Zahltag" vom Dortmunder Stammautor Jürgen Werner. Krieg im Rockermilieu; die Gang, in der einer dem anderen nicht mehr vertraut, heißt dem Schauplatz angemessen "Miners". Deren Präsident (Jürgen Maurer) ist ein herber, zugleich spürbar warmblütiger Ganove, die Rockergeschichte ist vielschichtig, aber sie ist auch kompliziert. Es geht um Geldwäsche und Scheinfirmen, sehr viele Namen werden aufgerufen. "Musst mir das nächste Mal noch mal erklären", sagt irgendwann Hauptkommissarin Bönisch - und sie spricht nicht für sich allein.

Zweiter Strang: die Beziehung der Ermittler zueinander. Auch hier setzen Autor Werner und Regisseur Thomas Jauch einiges voraus; man muss die vergangenen Episoden mit diesem Team in Erinnerung haben, um jeden Bezug zu verstehen. Der Tatort aus Dortmund ist als "Serie in der Serie" konzipiert, man fühlt sich dort der Kunst des horizontalen Erzählens verpflichtet. Weil aber auch der Fortgang des Rockerdramas höchste Konzentration verlangt, wird ein Teil des Publikums irgendwann im Kurznachrichtendienst Botschaften voller Enttäuschung und Verlorenheit posten.

Dalay wurde tough, Kossik wagt die Revolution

Wer die Dortmunder Ermittler allerdings länger kennt und mag, wird beeindruckt sehen, dass jeder Charakter inzwischen gewachsen ist, trotz der Regentschaft des irren Chefs Peter Faber. Oder gerade deshalb. Die junge Kommissarin Dalay, in den ersten Folgen Stichwortgeberin, ist auf glaubhafte Weise tough geworden. Und Kollege Kossik wagt die Revolution, er hängt Faber eine Dienstaufsichtsbeschwerde an. Ein interner Ermittler (großartiger Milan Peschel) kocht jeden Einzelnen im Kommissariat bei niedrigen Temperaturen langsam durch: Wie stehen Sie persönlich eigentlich zu Faber?

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Es geht um Loyalität und die Grenzen der Loyalität. Geboten wird eine wahrhaftig interne Ermittlung der Seelen von vier Kommissaren, und das ist alles beeindruckend präzise gespielt. Erfreulich hohes Dialogniveau. Faber säuft, wenn er quatschend nicht weiterkommt, den anderen unter den Tisch, beziehungsweise unter eine BVB-Bettdecke. Und wenn man denkt, die Spannung wird sich in irgendeiner Kumpeligkeit auflösen, ist ja schließlich Tatort - dann ist das mit Faber natürlich nicht zu machen. Denn Dortmund widersetzt sich jeder Ordnung.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.