ARD-Krimi Vielleicht ein Debattenbeitrag, aber kein guter "Tatort"

Kriminelle Ausländer, nichtkriminelle Ausländer und solche, die fürchten, für kriminell gehalten zu werden - im Kölner Tatort wartet ein Panoptikum der Bundesrepublik in Zeiten der Flüchtlingsdebatte.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

In Köln zieht eine Bürgerwehr in den bewaffneten Straßenkampf. Leider gehört "Wacht am Rhein" zu den Fällen, die inhaltlich viel wollen, filmisch jedoch wenig können.

TV-Kritik von Katharina Riehl

Die Programmgestaltung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens folgt ihrer ganz eigenen Mathematik, weshalb sich zu Beginn dieses Tatort -Jahres unschwer errechnen lässt: Es ist nun offenbar eine Tatort-Produktionszeit her, dass Angela Merkel die Grenzen geöffnet hat.

In der vergangenen Woche ermittelten die Kommissare in Hessen - die man bei aller rhetorischer Vorsicht Gutmenschen nennen möchte - im Milieu sehr rechter Einwanderungsskeptiker. An diesem Sonntag zieht in Köln eine Bürgerwehr in den bewaffneten Straßenkampf gegen möglicherweise kriminelle Nordafrikaner.

"Wacht am Rhein" heißt die Episode (Buch: Jürgen Werner; Regie: Sebastian Ko), und so heißt auch die Gruppe deutscher Ladenbesitzer und Anwohner, die nachts durch ihr Viertel patrouilliert. Eines Abends wird dann auch tatsächlich die Zoohandlung überfallen und einer der Hobbypolizisten dabei erschossen.

Man kann sich leicht vorstellen, was sich daraus entwickelt: Max Ballauf und Freddy Schenk treffen auf ausländerfeindliche Parolen, kriminelle Ausländer, nichtkriminelle Ausländer und auf solche, die fürchten, für kriminell gehalten zu werden. Ein Panoptikum der Bundesrepublik in Zeiten der Flüchtlingsdebatte, mühevoll zusammengehalten von einer mäßig interessanten Krimihandlung und zwei Kommissaren, deren Arbeit mit dem Wort "Routine" nicht ausreichend uninspiriert beschrieben wäre.

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Es ist im Wortsinn naheliegend, dass gerade der WDR die Flüchtlingsdebatte zum Thema im Tatort macht, vom Sendergebäude sind es schließlich nur wenige Meter zur Kölner Domplatte, die für viele zum Symbol der vielen unbeantworteten Fragen geworden ist. Der WDR hält es vermutlich sogar für seine Pflicht im Sinne des öffentlich-rechtlichen Auftrags, ein Millionenpublikum am Sonntag mit dieser Debatte zu konfrontieren.

Dem kann man zustimmen oder auch nicht, so oder so ist "Wacht am Rhein" einer jener Tatorte, die inhaltlich viel wollen und filmisch wenig können. Die Motive der Figuren - des überfallenen Ladenbesitzers, des Bürgerwehrlers mit Migrationshintergrund, des Ausländers unter Verdacht - sind alle sehr theoretisch und konstruiert. Vielleicht ein Tatort als Debattenbeitrag, aber kein guter Tatort.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.