ARD-Krimi "Tatort"-Nachlese: Landet eine Leiche im Pool

Kein Wunder, dass das Pärchen im Pool erschrickt, als plötzlich eine Leiche vom Himmel fällt.

(Foto: NDR/Marion von der Mehden)

Im Norddeutschland-"Tatort" mit Wotan Wilke Möhring will ein IS-Heimkehrer einen Terroranschlag verüben. Wenn das nur der einzige Handlungsstrang wäre.

Kolumne von Carolin Gasteiger

Darum geht's:

Terrorwarnung in Norddeutschland - die "Braunschweiger Brigade" droht in der Tagesschau mit einem Anschlag. Ihr Anführer, IS-Heimkehrer Enis Günday, kommt am Flughafen Hannover an und soll von einem Schleuser an den Kontrollen vorbei ins Land gebracht werden. Allerdings gibt es eine Verwechslung, der Schleuser fängt den Falschen ab und tötet ihn. Kurz darauf bringt er Günday aus dem Flughafen raus und entführt ihn. Zur selben Zeit testet Thorsten Falke aufgrund der Anschlagsgefahr die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen. Dann wird der Tote gefunden. Also nicht direkt, die Leiche fällt aus der Luft in ein Schwimmbecken auf Privatgrund. Falke, eigentlich gar nicht zuständig für den Fall, übernimmt die Ermittlungen. Mit Julia Grosz von der Bundespolizei steht ihm eine kompetente, aber sehr verschwiegene Kollegin zur Seite.

Hier lesen Sie die Rezension von SZ-Tatort-Kritiker Holger Gertz:

Tatort Weltkonflikt auf Stammtischniveau
"Tatort"-Kolumne

Weltkonflikt auf Stammtischniveau

Mit IS-Gefahr, Terrorismus und einer traumatisierten Kollegin verhebt sich "Zorn Gottes" an der überlebensgroßen Geschichte.   TV-Kritik von Holger Gertz

Bezeichnender Dialog:

Roman "Rocky" Kovac, der den Mann am Flughafen umgebracht und Enis Günday entführt hat, hält diesen in einem verlassenen Haus im Wald gefangen. Mit einem Jutesack überm Kopf betet Günday auf Arabisch, bis Kovac laut "Amen" sagt.

Günday: Ich will meine Familie sprechen. Lass mich telefonieren, okay? (...) Ich verarsch dich nicht. Ich will mit meinem Vater sprechen und meiner Schwester. Also lass mich telefonieren, ja?

(...)

Kovac: Willst dich verabschieden. Ja, willst deinen Vater anrufen und dich verabschieden.

Günday: Das geht dich doch einen Scheiß an.

Kovac: Aber deine Brüder - die wollen das nicht.

Günday: Was, du hast keine Ahnung. (...) Von meinem Gott und meinem Glauben hast du doch keine Ahnung. Was redest du für 'ne Scheiße?

Kovac: Du fährst in den Krieg, als wäre es ein Scheiß-Abenteuerurlaub. Aber warum? Weil du nichts auf die Reihe kriegst.

Günday: Ach komm, du weißt nichts.

Kovac: Ich weiß nur eins: Dass ich nicht so bin wie du.

Günday: Ach wirklich, soll ich dir was sagen? Du bist genau wie ich. Du weißt es nur noch nicht.

Die besten Zuschauerkommentare:

Beste Szene:

Erst ganz zum Schluss, als die Sonne hinter dem Flughafen untergeht, sind Grosz und Falke nicht mehr die beiden harten Cops, sondern geben sich menschlich, privat. Sie bringt ihm einen Kaffee, er gesteht, dass er nur Milch trinkt. Und dann rückt Grosz mit der Wahrheit raus: "Ich neige dazu, niemandem zu vertrauen und meine Kollegen zu erschießen." Falke darauf: "Zugegeben, umgekehrt wäre wesentlich gesünder." Aber kein Grund, nicht zusammenzuarbeiten.

Top:

"Zorn Gottes" kommt ohne viel Action aus, ohne flammenwerfende Explosionen, nervenaufreibende Verfolgungsjagden. Vielmehr stehen die Figuren und ihre innere Zerrissenheit, die private Seite der Kriminellen, im Vordergrund. Und die Frage: Was passiert, wenn ein Selbstmordattentäter nicht mehr hinter seinem Vorhaben steht? Hätten es die Macher dabei belassen, denn ...

Flop:

Uff, wird in diesen Tatort viel reingepackt. Von der IS-Gefahr über das Schleusergeschäft bis hin zu Falkes vergeblichem Versuch, sich seinem Sohn Torben wieder anzunähern - alles drin. Und darüber hinaus tritt in "Zorn Gottes" auch noch seine künftige neue Partnerin auf. Memo an die Macher: Weniger ist manchmal mehr.

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Skurrilster Moment:

Landet eine Leiche im Pool ... Was der Anfang eines schlechten Witzes sein könnte, ist hier tatsächlich Teil der Handlung. Und dann landet der Tote ausgerechnet neben einem Pärchen, das zu schlechten Beats knutscht. Come on!

Bester Auftritt:

Franziska Weisz sagt nicht viel in ihrem ersten Fall - aber das umso deutlicher. Als Bundespolizistin Julia Grosz hat sie so gar keine Lust, mit diesem Aufschneider von Falke zusammenzuarbeiten. Und noch weniger Lust, das zu überspielen. Aber genau das macht sie zur mit interessantesten Figur in "Zorn Gottes".

Wer ist die Neue?

Weisz ist gebürtige Österreicherin und spielte in Ulrich Seidls "Hundstage" und zuletzt in "Kreuzweg" von Dietrich Brüggemann. Im Tatort übernimmt sie nun den überlegten Gegenpart zu Wotan Wilke Möhring als Haudrauf Falke. Aus Grosz und Falke könnte noch einiges werden, nicht nur beruflich.

Die Erkenntnis:

"Absolute Sicherheit kann es nicht geben", sagt Wotan Wilke Möhring in einem Interview zum Film, der lange vor den Attentaten in Paris gedreht wurde. Tatsächlich kommt zwischendurch das Gefühl auf, dass die Gefahr überall lauern kann. Aber kaum denkt man an die Leiche im Pool zurück, verwandelt sich die Angst in müdes Lächeln.

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