ARD-Krimi "Der König von Berlin" Ein Film, der nichts will und alles schafft

Florian Lukas darf als Carsten Lanner endlich mal einen freundlich-naiven Menschen spielen.

(Foto: dpa)

Mit "Der König von Berlin" zeigt die ARD endlich mal wieder einen Krimi, der nicht belehren, sondern nur unterhalten möchte - und dem das auch wunderbar gelingt.

Von Silke Burmester

Würde ein Alien wissen wollen, was der Unterschied zwischen Fernsehen und Netflix ist, müsste man auf die zeitliche Abrufbarkeit verweisen und darauf, dass Fernsehen immer etwas will. Bilden! Aufrütteln! Unterhalten! Wie schön ist es da, wenn mal etwas über den Bildschirm flimmert, bei dem alle Beteiligten - vom Regisseur bis zum redaktionell Verantwortlichen - es aushalten, dass einfach eine Geschichte schön erzählt wird und die Schauspieler tun, was sie am besten können: spielen.

Mit der Verfilmung von Horst Evers Roman Der König von Berlin hat der Regisseur und Drehbuchautor Lars Kraume die Sphären des dunklen Dauerdienstes rund um die Inszenierung von Tatort und gesellschaftspolitischen Dramen verlassen und sein Auge auf das Licht der Komödie gerichtet. Die im Kern schlichte Handlung - ein bedeutender Bürger der Stadt, der Betreiber des größten Kammerjägerdienstes, erpresst Berlin und droht mit einer Rattenplage. Als er tot aufgefunden wird, wittert der aus der Provinz angereiste Kommissar Mord und deckt gegen viele Widrigkeiten ein Komplott auf, in das auch die Polizei verstrickt ist. Was klingt wie Erich Kästner, ist so charmant und unterhaltsam inszeniert, wie Kästner seine Kinderromane schrieb, und es sind die irren Figuren, die von ihren Darstellern so großartig verkörpert werden, dass dieser im aufklärerischen Sinne unbedeutende Film eine so enorme Freude ist.

Da ist zunächst Florian Lukas als aus Cloppenburg angereister Kommissar Carsten Lanner, der endlich keine Zerrissenheit darstellen muss, der keine Liebe verliert und dessen Standardmimik "sauertöpfisch-traurig" nicht verlangt wird. Stattdessen darf er im besten Sinne naiv und freundlich sein und sich so hinreißend in seiner Hose verheddern, die Treppe runterfallen und wieder aufstehen, wie wir es seit Stan Laurel nicht mehr gesehen haben. Ihm zur Seite steht die unerschütterliche Optimistin Carola Rimschow (Anna Fischer), die so bestechend rasant durchs Leben und ihr Auto durch den Straßenverkehr lenkt, weil sie ihre Brille nicht trägt. Und dann fängt neben den famos bescheuerten Söhnen des Rattenkönigs (Daniel Zillmann und Rüdiger Klink), der Kammerjäger Toni die Aufmerksamkeit, der mit russischem Akzent und bloßen Händen die Nager tötet. "Hab ich Hals umgedreht. Konnte nicht töten mit Gift. Mit kein Gift. Also hab ich knick-knack."

Diesen verkörpert Marc Hosemann, als hätte er in den vergangenen Jahren, in denen er so wenig im Fernsehen zu sehen war, nichts anderes getan, als sich im Kampfanzug in der Zwischenwelt von Gut und Böse herumzutreiben. Der König von Berlin ist das, was einen als Kind in Büchern versinken ließ: überzeichnete Figuren und eine wunderbar erzählte Geschichte vom Kampf des Guten gegen das Böse, die nichts weiter will als einfach bestens unterhalten.

Der König von Berlin, Das Erste, Samstag, 20.15 Uhr.

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