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ARD-Intendantin Monika Piel im Gespräch:"Quote heißt auch Akzeptanz"

ARD und Sat 1: Programmpläne

Täglich grüßt die Murmelrunde

SZ: 2010 sind ARD und ZDF trotz Fußball-WM hinter RTL gelandet. Ab wann haben Sie ein Problem, die acht Milliarden Euro für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor der Politik zu rechtfertigen? Wenn Sie unter zehn Prozent Marktanteil fallen?

Piel: Es gibt immer die Sorge. Ich glaube aber nicht so sehr daran. Und Politiker? Mir geht es da eher ums Publikum. Wenn das Publikum die Angebote nicht mehr findet, die es glaubt, für seine Gebühren finden zu müssen, dann wird es schwierig. Solange wir ein öffentlich-rechtliches Programm machen, für das wir den Auftrag haben und man stellt fest, dass es in dieser Gesellschaft nicht mehr so viel Publikum anzieht, dann würde es mich sehr wundern, wenn Politiker sagten: Ihr erfüllt zwar euren Auftrag, aber es will ja keiner sehen.

SZ: Und deshalb dürfte es bei ARD und ZDF keine Ausrichtung nach Quoten mehr geben.

Piel: Quote heißt auch Akzeptanz. Wenn man weiß, dass sich zehn Prozent der Menschen stark für Politik interessieren, dann müssen wir mit unseren politischen Magazinen versuchen, diese zehn Prozent unbedingt zu erreichen. So definieren wir im WDR die Quote. Wir analysieren den Sendeplatz und fragen: Wie viele Menschen interessieren sich dafür? Man kann nicht erwarten, dass es für die Übertragung eines Symphoniekonzertes 15 Prozent Marktanteil gibt. Da wissen wir, es sind drei oder vier Prozent, und wenn wir die erreichen, haben wir unser Ziel erreicht. In dieser Richtung müssen wir immer sehen, dass wir Quote machen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird gefährdet, wenn wir unseren Auftrag nicht erfüllen, aber nicht, wenn wir auf Platz drei oder vier rutschen.

SZ: Stört Sie das Sponsoring-Verbot vor 20 Uhr, das im neuen Rundfunkstaatsvertrag festgeschrieben ist?

Piel: Damit kann ich leben. Ich habe mich schon vor zwei Jahren dafür ausgesprochen. Nicht schön ist natürlich, dass wir keine Kompensation bekommen. Das Geld fällt einfach weg.

SZ: Warum verzichten ARD und ZDF nicht ganz auf Werbung? Das wäre eine symbolische Opfergabe und würde den öffentlich-rechtlichen Charakter betonen.

Piel: Die Symbolik fände ich richtig, nicht die Opfergabe. Ich könnte wunderbar ohne Werbung leben, wenn der Verlust ausgeglichen würde.

SZ: Die Franzosen haben es wenigstens versucht.

Piel: Und sind gescheitert. Denn sie haben festgestellt, dass das Werbegeld dann nicht automatisch den Privaten zugutekommt. Ohne Kompensation ist ein komplettes Werbeverbot für uns vollkommen unmöglich. Zumal die zurückliegenden Gebührenanpassungen seit 2005 jeweils unter der Inflationsrate lagen. Hinzu kommt, dass voraussichtlich in den sechs Jahren von 2009 bis 2014 die Gebühren nicht erhöht werden.

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