ARD-Film "Seit du da bist" Seichte Geschichte, klug erzählt

Erfolgloser Maler verliebt sich in verheiratete Geigenlehrerin mit Kindern. Der ARD-Film "Seit du da bist" hat alles, was eine schlimme Schnulze braucht. Und überrascht dann doch.

TV-Kritik von Benedikt Frank

Die neunjährige Lilia will das jetzt wissen: Warum wird das Café, in dem der Exfreund ihrer Mutter kellnert, "Club der polnischen Versager" genannt? "Weil wir alle polnische Eltern haben und es zu nichts gebracht haben", erklärt Jarek, das sei Ironie. Ob Lilia denn wisse, was das ist? "Wenn man sagt: Schönes Wetter, und es regnet in Wirklichkeit?" Genau. Aber dann ist das doch Quatsch mit der Ironie, fällt dem Mädchen auf, Jarek ist ja wirklich ein Versager.

Die erste Hälfte von Seit du da bist lebt von solchen Dialogen, in denen Kinder immer ein bisschen zu neunmalklug sind. Trotz vieler komischer Situationen ist der Film von Michael Hofmann aber keine Komödie. Lilias Mutter Alina (Katharina Schüttler, Foto) verleugnet ihre Tochter beim Bewerbungsgespräch. Sie glaubt, nur so den Job zu bekommen, und hat damit wohl auch recht.

Jarek (Manuel Ruby), jener Exfreund und ein erfolgloser Maler, lässt sich breitschlagen, Lilia zum Geigenunterricht zu fahren. Er wird immer mehr zum Ersatzvater - mehr noch als für Lilia für die drei Söhne der Geigenlehrerin Clara (Martina Gedeck). Dass diese mit einem Kunsthändler verheiratet ist, könnte eine große Chance für Jarek sein, wäre da nicht das Violinkonzert von Sibelius, dem der Maler in Claras Interpretation entgeistert lauscht. Danach ist er verliebt, in die Musik ebenso wie in die verheiratete Frau.

Der Handlungsrahmen hat alles, was eine schlimme Schnulze braucht. Einen widerlichen Ehemann, der das Talent seiner Frau niedermacht, eifersüchtig ist, aber nicht treu. Eine Frau, die für diesen Mann viel aufgegeben hat und nun nicht wertgeschätzt wird. Clara hat für die Kinder auf eine Karriere als Geigerin bei den Wiener Symphonikern verzichtet. Ganz anders als Alina, die ihre Tochter Lilia für den Beruf so sehr vernachlässigt, dass diese einmal in Tränen ausbricht und sagt, es wäre wohl besser, wenn sie tot wäre.

Das klingt nach dem reaktionären Weltbild des Herzschmerz-Fernsehens, das die opferbereite Mutter gegen die herzlose Karrierefrau ausspielt. Doch auch wenn das Genre bei Seit du da bist schon im Titel mitschwingt, würde das dem Film nicht gerecht.

Die Romanze bleibt bis zum Schluss mehr eine Sehnsucht als eine garantierte Erfüllung

Lilias Mutter ist zwar keine Heldin, aber ihr Handeln wird aus den Umständen erklärt. Clara, die "gute Mutter" in dieser Versuchsanordnung, wird nie besonders mütterlich gezeigt. Die Spannung zwischen dem Künstler Jarek und der Geigerin wirkt nicht aufgesetzt. Ihre Romanze bleibt bis zuletzt distanziert, mehr schüchterne Sehnsucht als etwas, das unbedingt in einem glücklichen Ende erfüllt werden möchte.

Lilia, das Kind, wird von der Gegenspielerin Jareks erst zur Verbündeten und dann sogar zum Vorbild. Seit du da bist balanciert die verschiedenen Elemente gekonnt, die Stimmung ist seltsam, aber nicht uninteressant - und zeigt, dass man auch eine seichte Geschichte nicht plump erzählen muss.

Seit du da bist, ARD, Mittwoch, 20.15 Uhr.

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