ARD-Film "Mein Sohn Helen" Problemchenfilm über Transsexualität

Von einem USA-Aufenthalt kommt Finn als Helen (Jannik Schümann) zurück.

(Foto: ARD Degeto/Britta Krehl)

Freitagabend war im Ersten stets Süßstoff-Zeit. In "Mein Sohn Helen" geht es nun um einen Jungen, der zum Mädchen wird. Gemäß dem neuen Motto: extremes Thema - komödiantisch verpackt.

Von David Denk

Man muss sich das mal vorstellen: Ein Vater kommt zum Flughafen, voller Vorfreude auf das Wiedersehen mit seinem Sohn nach dessen High-School-Jahr in den USA. Er postiert sich gut sichtbar und knöpft sein Hemd auf, unter dem er ein bedrucktes T-Shirt trägt. "Welcome Home, Finn!" steht darauf. Er wartet und wartet, doch Finn kommt nicht nach Hause - Finn heißt jetzt Helen und lebt als Frau, wie er beziehungsweise sie dem ungläubigen Vater bei ihrem unterkühlten Wiedersehen erklärt.

Man muss sich das wirklich mal vorstellen. "Wie würde ich reagieren, wenn mein Sohn plötzlich als Tochter vor mir stünde?", formuliert Regisseur Gregor Schnitzler eine für ihn bei der Auseinandersetzung mit dem Stoff zentrale Frage. "Welchen Anspruch habe ich an mein Verhalten, und wie fühle ich mich wirklich?" Schnitzler hat Mein Sohn Helen inszeniert, einen Spielfilm über einen verwitweten Vater und einen transsexuellen Teenager für den Degeto-Freitagabend im Ersten.

"Mein Sohn Helen" in der ARD

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Auch das muss man sich erst mal vorstellen: ein Degeto-Film über Transgender! Jahrelang galten Produktionen unter dem Label der Filmorganisation der ARD-Anstalten als Hort des Kitsches. Von dieser genüsslich gepflegten Zuschreibung müssen Journalisten sich wohl tatsächlich allmählich verabschieden, denn die Degeto hat sich unter der 2012 angetretenen Chefin Christine Strobl modernisiert und geöffnet auch für die sogenannten wichtigen Stoffe.

Konkurrenz zum Tatort

"Wir dürfen dem Tatort nicht alle gesellschaftlich relevanten Themen überlassen", sagt Produzent Ivo Alexander Beck. Seine Mission: "Es gibt kein noch so extremes Thema, das sich nicht auch komödiantisch erzählen ließe." Regisseur Schnitzler nennt als Vorbilder die britischen "Social Comedys" von Ken Loach oder den Film Billy Elliot.

Das sind ziemlich große Schuhe, zu große für Mein Sohn Helen (Buch: Sarah Schnier). Ein bemerkenswerter Film ist es dennoch, konfrontiert er doch eine reifere Zielgruppe auf zeitgemäße, unterhaltsame Weise mit einem Thema außerhalb ihrer Komfortzone. "Wir müssen dabei natürlich sehr viel erklären", sagt Produzent Beck. Ob im Zwiegespräch mit einer Ärztin oder zwischen Tochter und Sohn - Mein Sohn Helen lässt keine Gelegenheit aus, Nachhilfe zu geben, Transsexuelle etwa von Transvestiten abzugrenzen: "Ich weiß, es ist für dich schwer zu verstehen, aber ich habe so lange drauf gewartet, ich zu sagen und damit meinen Körper zu meinen", sagt Helen zum Vater und damit auch zum Zuschauer. "Für mich gibt es kein Zurück."

Die Nachvollziehbarkeit von Finns/Helens Entscheidung und Willensstärke wird für den Zuschauer indes dadurch erschwert, dass die komplette für diesen Schritt und Schnitt so relevante Zeit in den USA ausgespart bleibt. Produzent Beck beschreibt gerade diese "Auslassung als Schlüssel" im Entstehungsprozess, "die Geschichte leichter zu erzählen".