ARD-Film "Lasset die Kinder zu mir kommen" Brunettis auf der Jagd nach Baby-Händlern

Donna Leon im Ersten: Commissario Brunetti ermittelt gegen fiese Kindesentführer.

Eine TV-Kritik von Benjamin Zeeb

Madonna, was für eine Stadt! Wie könnte man ihn nicht beneiden, den Commissario Brunetti, wenn er allmorgendlich beim Frühstück auf seiner fürstlichen Terrasse den Eine-Million-Euro-Blick auf venezianische Bürgerpaläste und sanft dahin gondelnde japanische Touristen mit der eleganten Lässigkeit des vom Glück Geküssten über sich ergehen lässt? Ein Narr, der denkt, dass so ein bisschen Mord die Idylle zwischen Terrakotta-Blumentopf, Parmaschinken und italienischen Kaffeespezialitäten ernstlich trüben könnte.

 ARD-Krimi "Lasset die Kinder zu mir kommen": Commissario Brunetti (Uwe Kockisch) und Signorina Elettra (Annett Renneberg) geben sich zu Ermittlungszwecken als Paar aus.

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Zwar bekommt es Brunetti (Uwe Kockisch) in Lasset die Kinder zu mir kommen mit einer skrupellosen Bande von Baby-Händlern zu tun, Regisseur Sigi Rothemund achtet aber streng darauf, das aufkommende Urlaubsgefühl von letztlich unnötigen Konflikten und Entwicklungen unbeschadet zu lassen.

Um reichen Leuten gegen viel Geld den Kinderwunsch zu erfüllen, wurde der illegalen Einwanderin das Kind noch im Kreißsaal geraubt. Als sie ein Jahr später ermordet aufgefunden wird, führen seine Ermittlungen den Commissario mal wieder in die höchsten Kreise der Lagunenstadt.Ein profilierter rechter Politiker ist in den Fall verwickelt. Dessen Tochter, blond gefärbtes Haar und Schlauchbootlippen, so dick, dass man auf ihnen über den Canal Grande schippern könnte, erinnert nicht nur an die Vorlieben die in Italiens Politik-Establishment vorzuherrschen scheinen - die Dame ist auch die Adoptivmutter des gestohlenen Kindes.

Brunettis eigene Tochter Chiara (Laura-Charlotte Syniawa), die ihrerseits kurz nach der Geburt mal für einige Tage mit einem anderen Säugling vertauscht worden war, ergründet indes im Nebenplot die Konsequenzen, die solch ein fehlgeleiteter Strahl aus Fortunas Füllhorn haben kann. Nach einem Besuch bei ihrer Beinahe-Mutter im miefigen Apartment - wo sie auch ihrem schwer pubertierenden und verzogenen Pendant begegnet - kehrt sie sichtlich befreit in die elterliche Nobelbehausung zurück und hilft Mama beim Arrangieren der Terrakottatöpfe.

Bis am Schluss der fiese Kindesentführer schließlich gestellt werden kann, gibt das durchweg deutsche Ensemble Versatzstücke seines Touristen-Italienisch zum Besten, bestellt im Cafe Croissants statt Cornetti und trinkt so viele Espressi, das ein Normalsterblicher davon unter Zuckungen von der Rialto Brücke stürzen würde. Aber nach acht Jahren Donna Leon im Ersten ist man an sowas ja gewöhnt.

Kindesentführung, ein ernstes Thema ist es ja schon. Hohe gesellschaftspolitische Relevanz. Aber ist das nicht die Trattoria alla Madonna in der der Commissario da steht? Der wohl meistverbreitete sogenannte Restaurant-Geheimtipp südlich der Alpen? Da waren wir doch erst letztes Jahr! Vorzüglicher Fisch, und das Tartufo: fantastisch!

Donnerstag, 7. Oktober 2010 : Lasset die Kinder zu mir kommen, ARD 20.15 Uhr.