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ARD-Film "Auf kurze Distanz":Die Wettpaten, sie sind überall

ARD Auf kurze Distanz

Edin Hasanovic (l.) und Tom Schilling in Auf kurzer Distanz: Irgendwo sitzt immer einer rum, der schon vorher weiß, wann der Boxer k.o. geht, oder der Schiedsrichter den spielentscheidenden Elfer gibt.

(Foto: WDR/Jakub Bejna)

In "Auf kurze Distanz" geht es um die Wettmafia. Wer Sport liebt, riskiert mit diesem Stück besten deutschen Fernsehens einen Blick in die Hölle.

Weil es um die dunkle Seite des Sports geht, ist es in diesem Film fast nie hell. Meistens sind die finsteren Gestalten nachts unterwegs, und wenn sie sich doch mal bei Licht ins Leben trauen, dann nur, um durch irgendeine Tür sofort wieder in einer düsteren Spelunke zu verschwinden. Restaurants sind spärlich beleuchtet, in keinem Badezimmer brennt Licht, geraucht wird dauernd, im Dunkeln.

Tatsächlich, Auf kurze Distanz (Regie: Philipp Kadelbach) ist ein düsterer Film, aber wenn sich die Augen erst mal runtergedimmt haben, möchte man auch gar kein Licht mehr sehen. Das Stück ist so nachhaltig desillusionierend, so wirkungsvoll niederschmetternd - so schwarz, dass es einfach sehr, sehr gut ist.

Luka, ein kleines Licht in einer kriminellen Familie

Die ARD verkauft diesen eindrucksvollen Fernsehfilm über das Milieu illegaler Sportwetten unter der Dachzeile "Themenabend", weil danach noch eine Dokumentation über Sportwetten folgt. Themenabend klingt nach Ernährungstipps. Der Thriller über Klaus und Luka hätte einen Kino-Trailer verdient.

Es ist eine auf mehreren Ebenen verwobene Erzählung (Buch: Holger Karsten Schmidt und Oliver Kleine nach einer Idee von Hannes Jaenicke) mit einem klug gewählten Titel. Auf kurze Distanz, so ist zum einen Klaus mit Luka verbunden. Klaus wird als verdeckter Ermittler eingesetzt, um an eine serbische Familie heranzukommen, die Sportereignisse manipuliert und beim Wetten dann abkassiert, weil sie die Ergebnisse vorher programmiert hat - durch Erpressung und Bestechung. Luka ist ein kleines Licht in dieser kriminellen Familie, nur der Neffe vom Paten, nicht einer seiner Söhne. Seine Freundschaft ist für Klaus der Türöffner zur dunklen Seite des Sports. Klaus hilft Luka, im Clan Karriere zu machen. Er soll ihn ausspionieren und sein bester Kumpel sein, gleichzeitig. Auf Distanz bleiben und nah dran sein. Es ist eine Qual.

Die zweite Ebene spiegelt das Verhältnis zwischen Klaus und dem Polizisten, der ihn führt. Dieser will Klaus an der kurzen Leine halten, muss ihm aber maximale Freiheit gewähren, damit Klaus im Milieu glaubhaft auftreten kann. Es ist ein Risiko auf Leben und Tod: Geht der Ermittler an seinen kriminellen Freund verloren, fliegt er auf? Auch das eine qualvolle Beziehung.

Der Film bezieht seine Qualität einmal aus der ruhigen, beängstigenden Selbstverständlichkeit, in der er das dreckige Wettgeschäft schildert. Irgendwo sitzt immer einer rum, der schon vorher weiß, wann der Boxer k.o. geht oder der Schiedsrichter den spielentscheidenden Elfmeter gibt. Sie sind überall, die Wettpaten.

Zum anderen ist Auf kurze Distanz fantastisch besetzt, mit Tom Schilling (Unsere Mütter, unsere Väter, ), Jens Albinus (Borgen) und Edin Hasanovic (Familie Braun), der Luka spielt. Wer Sport liebt, riskiert mit diesem Stück besten deutschen Fernsehens einen Blick in die finsterste Hölle.

Auf kurze Distanz, ARD, 20.15 Uhr.

© SZ vom 02.03.2016/cag

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