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ARD-Fernsehlotterie: Monica Lierhaus:Wofür also wird sie bezahlt?

Die Größenverhältnisse in der ARD-Lotterie "Ein Platz an der Sonne" sind ähnlich. Auch Lierhaus' Vorgänger Frank Elstner, von 2004 bis heute das TV-Gesicht der Lotterie, hat dafür Honorar bezogen - laut Lierhaus-Management sogar "deutlich mehr" als seine Nachfolgerin. Die Lotterie, die in den 50er Jahren zunächst kriegsgeplagten Kindern zu einer Reise in die Sonne verhalf, musste sich immer wieder den Gegebenheiten ihrer Zeit anpassen. Die Liste der Repräsentanten liest sich wie die Ahnengalerie des deutschen Showbusiness: Georg Thomalla, Freddy Quinn, Hans Rosenthal, Günter Pfitzmann, Udo Jürgens oder Mutter Beimer - stets animierten Volkshelden das Volk zum Mitspielen.

Nun, so heißt es aus dem Lierhaus-Umfeld, habe die Lotterie aber mit einem Generationenwechsel zu kämpfen und eine "Verjüngung" angestrebt - mit Lierhaus statt Elstner oder einem umstrittenen, weil millionenschweren Sponsorenvertrag mit dem Hamburger Fußballklub FC St. Pauli, dessen Kicker auf den Trikots für den Platz an der Sonne werben. Show-Dino Elstner, angeblich von Anfang an in den Personalwechsel eingebunden, hatte sechs Jahre lang zahlreiche Shows moderiert, in denen für die gute Sache gespielt wurde.

Monica Lierhaus ist durch ihre Krankheit ein mit angeblich mehr als 800.000 Euro dotierter Moderatorenvertrag mit der ARD entgangen. Wofür also wird sie bezahlt? Hat der Sender sie bei der Lotterie untergebracht als eine Art Entschädigung? In der Auswahl sei man "absolut frei" gewesen, sagt Lotterie-Chef Kipper, auch wenn sie "in enger Abstimmung und im Einvernehmen mit der ARD" erfolgt sei. Erst im März will die Gesellschaft den genauen Umfang der Tätigkeit von Monica Lierhaus umreißen.

Sie selbst ließ bei ihrem sogenannten Comeback vor knapp 14 Tagen wissen, sie werde noch lange nicht so weit sein, die "Sportschau" zu präsentieren - Galas und Spielshows sind von ihr also erst recht nicht zu erwarten. Zu erfahren war aber schon: Lierhaus wird künftig 50 kurze Sendungen im Jahr moderieren, in denen die Gewinnzahlen der Lotterie präsentiert werden; sie wird auf Plakaten und Anzeigen zu sehen sein, in TV-Spots auftreten und Einrichtungen besuchen, die aus den Erlösen der Lotterie finanziert werden. Dafür, so heißt es aus dem Management der Rekonvaleszentin, "halten wir ein Honorar für gerechtfertigt".

Womöglich entspringt der Neid auf Lierhaus' Gage ja nur der Fehleinschätzung der Lotteriespieler. "Sie halten sich für Spender", sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen. Das seien sie aber nicht. "Spenden sind eine freiwillige Gabe ohne Gegenleistung", so Wilke. Die TV-Lotterien basieren gerade auf der cleveren Vermischung von Eigennutz und Gutmenschentum: Einerseits wollen die Mitspieler Millionengewinne erzielen, andererseits können sie sich dabei auch noch wohl fühlen.

Selbst Organisationen wie Unicef, die ausschließlich auf Spenden angewiesen sind, schauen etwas neidisch auf dieses Konzept - und akzeptieren die bezahlte Prominenz. Bloß der Begriff "Botschafter" sei "unglücklich gewählt", sagt Unicef-Sprecher Rudi Tarneden. Das Kinderhilfswerk benutzt diesen Titel für ehrenamtliche Repräsentanten. Auch Wilke, dessen Institut das Spendensiegel vergibt, sagt: "Schirmherren und Botschafter sind im gemeinnützigen Bereich Ehrenämter."

So gesehen wäre die große Empörung nur die Folge eines kleinen Etikettenschwindels.

© SZ vom 18.02.2011/berr
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