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ARD-Fernsehlotterie: Monica Lierhaus:Eine klassische Neiddebatte

Werbung für eine Soziallotterie, sagt Kipper, werde durch eine Person, die "populär, seriös und authentisch" sei, überhaupt erst wahrnehmbar und glaubwürdig. Diese Einschätzung teilt man bei der "Aktion Mensch", dem ZDF-Pendant zur ARD-Lotterie. Das Lierhaus-Honorar, dessen Höhe weder das Management der Moderatorin noch die ARD-Lotterie kommentieren (aber eben auch nicht dementieren), hält man im Sender für "absolut branchenüblich", wie Sprecher Martin Gosen sagt.

Goldene Kamera

Liebe nach dem Leiden

Auch das ZDF bezahle Thomas Gottschalk, dem Gesicht der "Aktion Mensch", "selbstverständlich" ein Honorar: "Mit einer solchen Tätigkeit sind ein hoher Aufwand und erhebliche Repräsentationspflichten verbunden", sagt Gosen. Bezahlt würden Zeitaufwand, Arbeit und auch die Popularität. Die Höhe der Entlohnung richte sich nach dem Marktwert, den die Prominenten bei Galas oder Shows erzielen können.

Und dieser Marktwert liegt weit außerhalb der Lebenswirklichkeit der Mitspieler solcher Lotterien. Hohe Gagen unterstützen den Vertrauensverlust, den die Institution Fernsehen schon länger verzeichnet: Seit Jahren, so das Institut Forsa, sinke die Glaubwürdigkeit messbar. Mit 33 Prozent liegt sie hinter anderen Medien wie Radio und Print, weit näher am miserablen Ruf von Managern (acht Prozent), weit weg von der vertrauenswürdigen Polizei (80 Prozent).

In der Causa Lierhaus mischt sich dieses diffuse Misstrauen mit einer klassischen Neiddebatte. Die Los-Käufer investieren ihren sauer verdienten Lohn oder ihre schmale Rente, um mit ein bisschen Glück vielleicht eine lebenslange Rente, ein Haus, eine Traumreise oder gleich eine richtige Million zu gewinnen. Dass derjenige, der sie im Fernsehen zum Kauf animiert, allein dadurch selbst zum Gagenmillionär wird, haben sie bisher offenbar ausgeblendet.

Tatsächlich handelt es sich bei den Fernsehlotterien nicht um Spendenvereine, sondern um Unternehmen, die in Konkurrenz zu den staatlichen Lotterien oder privaten Wettunternehmern stehen - das Glück der kleinen Leute war schon immer ein gutes Geschäft. Die "Aktion Mensch" etwa setzte im Jahr 2009 beachtliche 447 Millionen Euro um. Da wird aus einem prozentual bescheiden anmutenden Werbe- und Marketing-Etat von unter zehn Prozent schnell eine stattliche Summe von über 43 Millionen Euro.

Goldene Kamera

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