ARD feiert Verpflichtung Gottschalks Wunderwaffe für den täglichen Wahnsinn

Zufriedenheit auf allen Seiten: In der ARD ist die Freude über die Verpflichtung von Thomas Gottschalk groß - er soll den quotenschwachen Vorabend der Vergangenheit angehören lassen. Der Moderator freut sich hingegen, nun vier Mal in der Woche zum Einsatz zu kommen.

Die Freude in der ARD über den Wechsel des Fernsehmoderators Thomas Gottschalk vom ZDF zum "Ersten" ist groß: "Thomas Gottschalk ist eine stilprägende Persönlichkeit der deutschen Fernsehunterhaltung und eine Bereicherung für das Programm. Ich freue mich, dass der WDR federführend für die innovative Sendestrecke ist", sagte die WDR-Intendantin und ARD-Vorsitzende Monika Piel.

Thoms Gottschalk: "Es gibt ja Gott sei Dank neben Politik, Seuchen und Finanzkrisen auch noch den ganz normalen täglichen Wahnsinn. Für den bin ich in Zukunft zuständig."

(Foto: dpa)

Das ZDF äußerte hingegen Bedauern: "Thomas Gottschalk und das ZDF waren über Jahrzehnte eine erfolgreiche Symbiose. Wir hätten das gerne fortgesetzt. Leben bedeutet aber auch Veränderung und Thomas Gottschalk hat sich für einen Wechsel entschieden. Ich wünsche ihm dafür alles Glück und viel Erfolg", sagte Intendant Markus Schächter. Gottschalk habe das ZDF vorab über seine Entscheidung informiert.

Die ARD hatte zuvor mitgeteilt, dass Gottschalk ab dem kommenden Jahr viermal die Woche eine Vorabendshow moderieren werde. Die Süddeutsche Zeitung hatte über den Wechsel Gottschalks zum "Ersten" bereits in ihrer Freitagsausgabe berichtet.

Nach seinem Ausstieg bei der ZDF-Show "Wetten, dass..?", für die er im Herbst noch dreimal auf der Bühne steht, solle er im Januar im "Ersten" anfangen, teilte die ARD nun mit. Montags bis donnerstags werde der 61-Jährige in seiner halbstündigen Live-Show mit Gästen aus dem Kultur- und Entertainment-Bereich über das aktuelle Zeitgeschehen plaudern. "Das erinnert ein bisschen an meine Radio-Anfänge in der ARD. Immerhin habe ich insgesamt mindestens zehn Jahre meines Lebens täglich vor dem Mikrofon gesessen", sagte Gottschalk nach Angaben der ARD.

"Der Ernst des Lebens gehört in die "Tagesschau". Aber es gibt ja Gott sei Dank neben Politik, Seuchen und Finanzkrisen auch noch den ganz normalen täglichen Wahnsinn. Für den bin ich in Zukunft zuständig. Ich freue mich auf meine "Tagesshow"."

Langes Ringen

Was nun aus der ZDF-Show "Ein Herz für Kinder" und dem Jahresrückblick wird, die Gottschalk bislang moderiert hat, war zunächst unklar.

Gottschalk gilt als der letzte große Samstagabend-Unterhalter für die gesamte Familie. Manchen Kritikern sind seine Promi-Plaudereien zu oberflächlich. Wer ihm beim ZDF-Klassiker "Wetten, dass..?" nachfolgt, ist noch offen - die besten Chancen werden derzeit Entertainer Hape Kerkeling eingeräumt.

Der ARD-Senderverbund setzte sich nach langem Ringen um Gottschalk gegen das ZDF durch. Der Mainzer Sender hatte dem Entertainer nach dessen Rückzugsankündigung von "Wetten, dass..?" einen Vertrag über eine wöchentliche Talkshow sowie einige Abendshows angeboten.

Umbau komplett

Damit ist der Umbau des quotenschwachen ARD-Vorabends so gut wie komplett: Die tägliche Sendezeit für die Soap "Verbotene Liebe" wurde verdoppelt, ab Herbst sollen daran im täglichen Wechsel neue, regional verankerte humorige Krimiserien anschließen, und im Januar kommt Gottschalk oben drauf.

Zusätzlich geht Kai Pflaume freitags - am Gottschalk-Ruhetag - mit einem neuen Quiz auf Sendung. Derzeit arbeite Gottschalk mit den Produzenten der Sendung, der Firma Grundy Light Entertainment, an seinem Wohnort Los Angeles am Konzept der neuen Show, hieß es von der ARD.

Anfang kommenden Jahres dürfte der Entertainer mit seiner Familie dann vermutlich seltener in den USA sein, sondern häufiger auf seinem 150 Jahre alten Schloss in Remagen nahe Bonn, das die Familie derzeit nur sporadisch bewohnt.