ARD-Doku über Fußballspieler-Berater Limit nach oben

Man verdient einen Haufen Geld und Millionen Menschen jubeln einem zu. Für eine Karriere als Fußballer braucht es Talent, Willen - und einen Spielerberater. Eine ARD-Doku will nun die Welt dieser Menschen hinter den Fußballstars erklären. Doch sie lässt einige Fragen offen.

Von Jürgen Schmieder

Normalerweise müsste ein junger Fußballer aufstehen und den Raum verlassen, wenn er diesen Satz hört. Er ist eine Frechheit, eine groteske Übersetzung des Ausspruchs "Ich bring' dich ganz groß raus" von der Showsprache ins Fußballdeutsch. Er geht so: "Du hast kein Limit nach oben, du kannst noch alles schaffen, das ganze Programm!"

Jörg Neblung, nach eigener Aussage ein hellgraues Exemplar unter den schwarzen Schafen der Spielerberater-Branche.

(Foto: WDR/Klaus Stern)

Der Spielerberater Jörg Neblung sagt diesen Satz zum 17 Jahre alten Kicker Henning Dirks. Doch der wird nicht wütend, sondern rutscht nervös auf dem Sofa in der Wohnung der Eltern herum. Neben ihm sitzt der Vater und nickt verständnisvoll. Beide ahnen, was das ganze Programm sein könnte: Man verdient einen Haufen Geld, Millionen von Menschen jubeln einem zu, man lernt von der Bundeskanzlerin bis zum Y-Promi jeden kennen, den man kennenlernen will. Man braucht Talent, Willen, ein bisschen Glück - und man braucht jemanden, der einem Zutritt verschaffen kann zu dieser Welt. Man braucht einen Spielerberater.

Jörg Neblung ist so ein Spielerberater, der Filmemacher Klaus Stern hat ihn für die ARD-Dokumentationsreihe "Die Story im Ersten" ein halbes Jahr lang begleitet ihn - und möchte zeigen, wie es wirklich zugeht in diesem Geschäft. Man sieht Neblung, wie er sich um den alternden Torwart Timo Hildebrand kümmert, der zum Fußball-Nomaden geworden ist und nun endlich sesshaft werden möchte. Wie er sich um den 19 Jahre alten Torwart Stefan Ortega sorgt, der beim Drittligisten Arminia Bielefeld eine schwere Zeit durchlebt. Wie er mit dem Vater der Freundin eines Spielers redet, der sich Gedanken um den Schwiegersohn in spe macht. Neblung sagt Sätze wie: "Wir investieren in die Zukunft der Jungs" oder "Wir müssen den Karriereweg korrigieren".

Man sieht auch, wie der 43-Jährige seine Schützlinge verschiedenen Vereinen in teuren Hotels im türkischen Belek feilbietet, wie er Hertha-BSC-Manager Michael Preetz einen Steckbrief in die Hand drückt. Das ist interessant und nett anzusehen, doch bleibt die Doku immer dann außen vor, wenn es wirklich spannend würde: Über welche Details diskutieren Neblung und Schalke-Manager Horst Heldt, wenn sie eine Stunde lang über Hildebrands Vertrag verhandeln? Was bespricht Neblung mit den Verantwortlichen von Arminia Bielefeld, als Ortega seinen Stammplatz verliert? Wie bringt er seinen Schützling bei Hertha BSC unter? Wie es wirklich zugeht in diesem Geschäft, das erfährt man nicht.

Neblung selbst bezeichnet sich als hellgraues Exemplar unter den schwarzen Schafen der Spielerberater. Irgendwie möchte man diese dunklen Gestalten niemals kennen lernen. Henning Dirks offenbar auch nicht. Zwei Wochen, nachdem er den Satz mit dem vollen Programm gehört hat, unterschreibt er einen Vertrag bei Neblung.

Spielerberater, ARD, 00:15 Uhr.

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