ARD-Doku Die fragile Fassade des Hollywood-Glücks

Frederic Prinz von Anhalt lächelt im Garten seiner Villa in Beverly Hills (USA), aufgenommen im April 2010.

(Foto: dpa)

Reich und berühmt: Frederic von Anhalt lebt als Ehemann von Zsa Zsa Gabor in Los Angeles. Die ARD widmet "Prinz Hollywood" eine irrwitzige Doku.

TV-Kritik von Christian Mayer

Es geht eine seltsame Faszination aus von Menschen, die es aus dem Nichts heraus schaffen, zur Kult- oder Kunstfigur zu werden, zu einer öffentlichen Person, die es dann, wie es so schön heißt, allen gezeigt hat. Man braucht dafür Glück, Chuzpe und das Talent, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein; ohne die Fähigkeit, sich bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus selbst zu vermarkten, wird es aber nichts mit der Berühmtheit. Die Medienmenschen, die das Produkt ihrer eigenen Erfindung sind, müssen viel Spott und Häme aushalten, nicht selten werden sie im Lauf der Jahre zu ihrer eigenen Karikatur.

Zu den schillerndsten Vertretern dieser Spezies gehört Frederic von Anhalt, der eigentlich den Namen Hans-Robert Lichtenberg trug, aber dann auf eigenes Betreiben hin von der nicht minder schillernden Adelsdame Marie Auguste Prinzessin von Anhalt adoptiert wurde. Das Leben und Streben des früheren Sauna-Betreibers war schon bisher Gegenstand zahlreicher Klatschberichte, doch erst jetzt erfährt er die Aufmerksamkeit, die er sich wohl selbst wünscht. Prinz Hollywood - Frederic von Anhalt heißt der Dokumentarfilm der ARD, und es könnte aus seiner Sicht wohl kein großzügigeres Geschenk geben.

1986 heiratete er Zsa Zsa Gabor, seine wohl wichtigste Investition

Filmemacherin Nicola Graef macht nicht den Fehler, sich über ihren oft unfreiwillig komischen Helden lustig zu machen. Sie lässt ihn, den Sohn eines Kriminalrats aus Wallhausen am Südrand des Hunsrück, einfach loslegen: Wer kann so eine tolldreiste Geschichte schon besser erzählen als der Urheber all dieser Schwänke? Und so fährt der Zuschauer in Frederics Limousine durch Los Angeles, die dicke Armbanduhr des Parvenüs blitzt in der kalifornischen Sonne; es geht nach Bel Air, wo die Reichen und Schönen hinter riesigen Hecken leben, allein die Zufahrtstore von Madonnas Anwesen haben eine Viertelmillion gekostet, dampfplaudert der auch mit Anfang 70 noch immer prächtig aufgelegte Prinz. Er kennt sich aus mit Preisen und taxiert sämtliche Gesprächspartner danach, wie wertvoll sie für ihn sind.

Der Mann, der am liebsten den Trainingsanzug des FC Bayern mit den vier goldenen Sternen trägt, spricht hier mit einem geradezu irrwitzigen Selbstbewusstsein. Vor allem über seine wichtigste Investition: nichts anderes war die Heirat mit der alternden Hollywood-Schauspielerin Zsa Zsa Gabor, die einst als ungarische Schönheit mit hohem Männerverschleiß die Schlagzeilen beherrschte, aber nun schon seit Längerem bettlägerig ist. Frederic von Anhalt, den sie 1982 auf einer Party kennenlernte und 1986 heiratete, ist nach offizieller Zählung ihr achter Gatte und offenbar ein fürsorglicher Krankenpfleger.

Frederic von Anhalt spielt nach den Regeln des Systems

Dieser Film hat eine heitere und eine düstere Seite. Man kann sich wunderbar darüber amüsieren, wie Frederic von Anhalt als Stammgast auf dem roten Teppich die Gesellschaft von Hollywood zum Narren hält, wie er sich gekonnt als Geschäftsmann präsentiert und bei den Golden Globes mit Stars wie Will Smith, Heidi Klum, Sylvester Stallone oder Harrison Ford posiert. "Im Grunde genommen verarsche ich mich selbst hier - aber solange ich Spaß dabei habe, ist es okay", sagt er, als ihm bei einer reichlich absurden Preisverleihung eine Auszeichnung für seine angeblichen Verdienste um den Film verliehen wird. Frederic von Anhalt spielt nach den Regeln des Systems, weshalb er an Thanksgiving Truthähne an die Bedürftigen von Los Angeles verteilt - und dazu die herzergreifende Geschichte erzählt, wie er einst von seiner eigenen Mutter an Weihnachten nicht ins Haus gelassen wurde.

Spätestens an dieser Stelle wird klar: Das aufwendig inszenierte Hollywood-Glück ist eine fragile Fassade, die Gier nach Geld und Geltung hat auch etwas Gespenstisches. Als seine Frau ihren 98. Geburtstag feiert, lädt Frederic ein paar Reporter zu einer "Pressekonferenz" in die mit Star-Devotionalien und sentimentalen Erinnerungsstücken vollgestopfte Villa. Als Beweis dafür, dass die Jubilarin noch unter den Lebenden weilt, nimmt er den Geburtstagskuchen mit ins Krankenzimmer, damit seine Zsa Zsa vom Löffel schlecken kann. Später darf die Kamera sogar mit in die Matratzengruft, und man ist heilfroh darüber, dass Frederic in diesem Reality-Remake von Boulevard der Dämmerung einen letzten Funken Anstand besitzt und das Filmteam nur das Kopfende des Bettes aufnehmen darf. "Sweatheart" und "Baby" nennt er sie, seine Stimme klingt zärtlich, er wirkt durchaus besorgt, dass die Frau seines Lebens sterben könnte.

Frederic von Anhalt, der es für seine Verhältnisse weit gebracht hat, weiß genau, was er dann verliert.

Prinz Hollywood, ARD, 22.45 Uhr.

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