"App - Der Film" im ZDF:Du bist nicht allein

Lesezeit: 4 min

APP

Anna (Hannah Hoekstra) fühlt sich von Iris bedroht.

(Foto: Ray van der Bas)

Es wird geblutet, gestorben und gesplattert, wenn im ZDF-Thriller "App" eine Software ihr zerstörerisches Bewusstsein entwickelt. Wer die Story parallel auf dem Smartphone verfolgt, erhält irgendwann selbst fiese Drohungen.

Von Bernd Graff

Dieser Thriller scheint wie gemacht, um Twitter-Spießern die gute alte German Angst einzuflößen. Er geht damit los, dass eine trist dreinblickende Blondine, die noch nicht allzu lange Twen genannt werden kann, frontal von einem Zug gerammt und in ihre Twenteile zerlegt wird. So kann man ja mal anfangen.

Twitter-Spießer, das als Einschub, sind jene zumeist jungen Menschen, die viel Freude daraus ziehen können, sich jeden Sonntag um Punkt 20.15 Uhr vor die Glotze zu setzen, um den Tatort auf dem "Second Screen" ihres Smartphones über Twitter und Facebook in "Echtzeit" zu verreißen. Es ist ein allsonntägliches Fest der hämisch schlechten Laune und ein Überbietungswettbewerb in teutonischer Witzischkeit. Ein Tütenlampenhorror!

Der in den Niederlanden von 2CFilm produzierte Thriller App unter der Regie von Bobby Boermans (Claustrofobia, 2011), den das ZDF am 26. Mai leider erst um 22.15 Uhr zeigt, kehrt das Verfahren des Second Screen nun gewissermaßen um. Er wendet es gegen den Zuschauer. Was sich liest wie die Rache der Krimi-Autoren an der fürchterlichen Kommentarklientel, ist technisch raffiniert umgesetzt und sorgt während der Ausstrahlung von App für ordentlichen Schauder und manch herbe Überraschung. In Echtzeit!

Synchron interagierende App

Um in den Genuss dieser wirklich verblüffenden TV-Erfahrung zu kommen, muss man sich - tunlichst vorher! - die zur Sendung angebotene App fürs Smartphone installieren. Es gibt sie für alle gängigen Modelle. Wenn man sie zu Beginn der Ausstrahlung startet, spielt der Thriller App nicht mehr nur auf der Glotze, sondern dringt unmittelbar vor bis in die Hand, die den Second Screen hält. Denn hier wird der Zuschauer nicht nur mit den üblichen weiterführenden Informationen zum Film versorgt.

Die App interagiert synchron mit dem Geschehen auf dem Bildschirm. Sie zeigt, was den Protagonisten entgeht, was zeitgleich noch passiert. Etwa, was sich in einem Professoren-Sprechzimmer abspielt, nachdem sich für die Fernsehkamera die Tür geschlossen hat. Man erfährt, wer wen anruft, man liest, welche SMS zwischen wem hin- und hergehen, Erzählstücke, von denen die Helden des Films dann nicht die leiseste Ahnung haben.

Diese Synchronisierung der unterschiedlichen Handlungsstränge zwischen TV und Smartphone gelingt, wenn man der App von App gestattet, auf das Mikrofon des Handys zuzugreifen. Dann hört die App die Sendung für ihre Einstiege ins Geschehen mit. Das gelingt ihr erstaunlich gut. Es ist dann immer ein gruseliger Effekt, wenn sich die stets bedrohlichen und schockierenden Ereignisse des Films auf dem Smartphone mit kurzen Vibrationen in der Hand ankündigen.

Darum geht es: Die Studentin Anna, gespielt von der ziemlich talentierten Hannah Hoekstra, trifft bei einer Wohnheim-Party auf ihren Ex-Freund Tim, verkörpert von dem ebenfalls interessanten Robert de Hoog. Tim ist zu Beginn noch ein sympathischer Superschlaukopf, der nach seinen Abschlüssen in Physik und Informatik nun auch noch sehr erfolgreich Medizin studiert. Er entwickelt gerade eine Software, die das Rückenmark von Gelähmten stimulieren soll, damit diese computergestützt wieder gehen lernen können.

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