Böhmermann und Somuncu "Irritierend unsachliche Diskussion"

Serdar Somuncu und Jan Böhmermann

(Foto: dpa)
  • Serdar Somuncu und Jan Böhmermann nehmen Stellung zu den Antisemitismus-Vorwürfen, mit denen sie konfrontiert wurden.
  • Beide bekräftigen, dass der Sketch, den Oliver Polak in seinem Buch schildert, in gegenseitigem Einverständnis mit Polak aufgeführt wurde.
  • Böhmermann wundert sich außerdem über die "irritierend unsachliche Diskussion", die in den Medien geführt worden sei.

Serdar Somuncu hat sich zu den Antisemitismus-Vorwürfen gegen Jan Böhmermann geäußert. Die Zeitung Der Freitag hatte Böhmermanns Namen mit einer Situation in Verbindung gebracht, die der Komiker Oliver Polak in seinem Buch "Gegen Judenhass" geschildert hatte. Anlässlich des 25. Bühnenjubiläums von Serdar Somuncu hatten Böhmermann, Klaas Heufer-Umlauf und Somuncu einen Sketch aufgeführt, der Polaks jüdische Identität thematisierte.

Auf seiner Homepage schreibt Somuncu nun: "Zusammen mit Polak, Jan und Klaas Heufer-Umlauf hatten wir diesen Sketch zwar bereits am Vortag besprochen und geprobt." Es stelle sich die Frage, warum Polak "just zum Erscheinungsdatum seines aktuellen Buches und immerhin acht Jahre später, nachdem er selbst am Sketch beteiligt war, auf die Idee kommt Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf und mich zu beschuldigen".

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Zu seinem Bühnenjubiläum habe er mit befreundeten Kollegen die "Idee von Toleranz durch gespielte Intoleranz persiflieren" wollen. "Es wurde quer durch alle Herkünfte, Ethnien und Geschlechter beleidigt und ad absurdum geführt. (...) Muss ich nun befürchten von allen Randgruppen, die sich angesprochen fühlen im Nachhinein angezeigt oder bezichtigt zu werden?"

In seinem Podcast Fest und Flauschig äußert sich auch Jan Böhmermann selbst zu den Vorwürfen. "Vier hauptberufliche Komiker haben sich 2010, vor acht Jahren, im Rahmen eines Roasts zu Serdar Somuncus 25. Bühnenjubiläum gemeinsam einen Sketch ausgedacht, gemeinsam geprobt, gemeinsam aufgeführt", so Böhmermann. Alle Beteiligten hätten ihre Rollen freiwillig, selbstbestimmt gespielt, in gegenseitigem Einverständnis, so Böhmermann weiter. Für die Art, wie medial mit dem Antisemitismus-Vorwurf umgegangen wurde, findet der Comedian deutliche Worte: "Ich bin überrascht von dieser, diplomatisch formuliert, irritierend unsachlichen Diskussion. Ich finde, wenn man so unseriös und so persönlich eine Debatte führt, ist das angesichts der Aktualität und der Ernsthaftigkeit des zugrunde liegenden Themas völlig unangemessen." Abschließend und als, wie er es nennt, produktiven Beitrag zur Debatte empfiehlt Böhmermann das Buch "Desintegriert Euch" von Max Czollek, das "sehr essayistisch die Sicht eines jüdischen Deutschen schildert, der dritten Nachkriegsgeneration, der heute im Alltag hier lebt und wie er die Dinge sieht."

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