Anschlag in Boston Sofort brodelt die Gerüchteküche

Tote, die es nicht gab, lahmgelegte Handynetze und allerlei Verschwörungstheorien: Nach dem Terroranschlag beim Boston-Marathon verbreiten sich über das Internet in kürzester Zeit die absurdesten Gerüchte.

Kaum hatten die Täter den Terroranschlag auf den Boston-Marathon verübt, verbreiteten sich bereits allerlei Behauptungen über den Hergang der Tat und ihre Folgen über die sozialen Netzwerke. Doch vieles von dem, was da in Sekundenschnelle Wichtigkeit bekam, hatte mit der Wahrheit nichts zu tun. Eine Auswahl der abstrusesten Darstellungen im Netz - teilweise zusammengetragen von CNN.

  • Ein Teilnehmer des Marathons plante, seiner Freundin nach der Ziellinie einen Heiratsantrag zu machen, doch sie starb, bevor es dazu kam.

Was für ein Bild: Ein Mann, der auf der Straße kniend eine Frau in seinen Armen hält. Fans der Facebook-Seite von Schauspieler Will Ferrell machten daraus eine tragische Liebesgeschichte. Tatsächlich lautete die Bildunterschrift für das Foto, das zuerst im Boston Globe veröffentlicht wurde kurz und bündig: "Dieser Mann kümmert sich um eines der Opfer auf dem Gehweg." Immerhin war das Bild selbst nicht manipuliert - am Dienstagmorgen hatte es nahezu 450.000 Likes.

  • Ein junges Mädchen starb an der Ziellinie.

Das Bild eines laufenden Mädchens, das an der Ziellinie gestorben sein soll, erregte ebenfalls einiges Aufsehen. Es zeigt in Wahrheit eine junge Teilnehmerin des "Joe-Cassella-5K"-Rennens, eines Straßenmarathons in Great Falls, Virginia. Auf Google+ verbreiteten es etliche Nutzer mit dem Kommentar, das Kind habe am Boston-Marathon teilgenommen und sei an der Ziellinie während einer der Explosionen gestorben. Ausgerechnet dieses Foto, wurde wegen der 500 Kommentare, die es bekam, zum "What´s Hot-Post" bei Google+. Die Veranstalter des Cassella-Rennens dementierten das Gerücht. Auf ihrer Facebook-Seite beschrieben sie die Aktion als "betrügerisch". Der Boston-Marathon lässt keine Kinder als Starter zu.

  • Marathon-Veranstalter werden für jeden Retweet spenden.

Bis Montagabend vermehrte sich ein Tweet, der angeblich von den Organisatoren des Boston-Marathons stammte: Darin boten sie für jeden Retweet einen Dollar an. Die Offerte war natürlich nicht echt, der falsche Twitter-Account "@_BostonMarathon" wurde gelöscht.

  • Behörden haben Handynetze lahmgelegt

Am Montag kam bei Twitter ein weiteres Gerücht in Umlauf, wonach die Polizei in Boston die mobilen Telefonnetze abgeschaltet habe, um weitere Detonationen durch Anrufe zu verhindern. In Wahrheit jedoch brach Bostons Netzwerk für den Mobilfunk während des Anschlags zusammen, weil es durch Anrufe, SMS und andere Kommunikationsaktivitäten überlastet war. Abgeschaltet hat es sich also selbst.

  • Verschwörungstheorien

Wie auch schon beim Terroranschlag am 11. September 2001, kursieren auch nach dem Attentat von Boston Verschwörungstheorien. Der Radio-Moderator Alex Jones twitterte, die Attacke "stinke zum Himmel". Auch andere Nutzer betitelten den Bombenanschlag als sogenannte "False Flag"-Aktion des FBI und der US-amerikanischen Regierung.

  • "Family Guy"-Folge sagte Bombenanschlag voraus

Das abstruseste Gerücht streute ebenfalls Alex Jones. Auf der Webseite seiner Radio-Show "Infoswars" teilte er mit, dass eine Episode der Serie "Family Guy" den Terroranschlag vorausgesagt hätte. In der Folge gewinnt Peter Griffin den Boston Marathon, weil er fährt statt zu rennen streckt dabei mehrere Läufer nieder. Später wird er Teil eines Terroranschlags und verursacht durch sein Handy zwei Explosionen. Zusammenhang zum realen Anschlag von Boston: negativ.

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