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"Anne Will" zur Türkei:Warnung vor überbordendem Moralisieren

Völkermord an den Armeniern

Zum Sterben in die Wüste getrieben

Ist es zunächst meist Yeneroğlu, der sich rechtfertigen muss, wendet sich die Runde nun gegen Dağdelen, als diese die PKK nicht als Terrororganisation bezeichnen will, und Röttgen ihr vorwirft: "Das diskreditiert Ihre Position." Von da an hält sich Dağdelen zurück.

Will tut gut daran, tagesaktuelle Entwicklungen in die Diskussion einzubauen, etwa die Kritik der Integrationsbeauftragten Aydan Özoğuz an dem Armenien-Resolutionsantrag, durch den "das eigentliche Ziel der Aufarbeitung erneut in weite Ferne gerückt" werde.

In der Talkrunde findet Özoğuz Zuspruch von Spiegel-Journalistin Hoffmann, die den Sinn einer solchen Resolution arg in Frage und sich damit gegen Röttgen stellt, der in der Anerkennung des Völkermords durch den Bundestag ein moralisches Gebot und ein Gebot der Wahrheit sieht. Röttgen gibt immerhin zu, der Bundestag habe aus diplomatischer Rücksichtnahme so lange mit der Resolution gewartet. Wirkt irgendwie seltsam, diese Entschuldigung. "Da haben Sie aber ganz schön viel zu tun in nächster Zeit", raunzt Hoffmann und meint damit viele andere Völkermorde, mit denen sich der Bundestag noch nicht befasst hat.

Ein "Herz für Journalisten"

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Überhaupt warnt die Journalistin vor überbordendem Moralisieren und Moralpredigten und spricht damit einen immer wieder aufkommenden Kritikpunkt im Umgang mit der Türkei an. Monieren doch viele immer wieder, die EU schwinge sich gegenüber Erdoğan zum besserwisserischen Moralapostel auf. "Völkermord gehört vor den Internationalen Gerichtshof und nicht in den Bundestag", sagt Hoffmann. Aber ist es überhaupt Völkermord? Auf diese Frage muss Anne Will lange bei AKP-Mann Yeneroğlu nachhaken, bis er sich nach vielen rhetorischen Windungen endlich festlegt: "Ich habe doch Nein gesagt." Zum Sinn oder Unsinn der Bundestagsresolution schweigt er sich aus.

Am weitesten hatte sich Yeneroğlu am Anfang aus der Deckung gewagt, als er die Frage bejahte, ob sein Parteichef ein "lupenreiner Demokrat" sei. Ansonsten bleibt der Abgeordnete, der in Köln aufgewachsen ist, leider ziemlich in seiner Rolle als AKP-Gesandter stecken und bittet Anne Will, Erdoğan doch selbst nach dessen Meinung zur Armenien-Resolution zu fragen. Er werde ein gutes Wort für sie einlegen, verspricht er. Schließlich habe er "ein Herz für Journalisten".

"Wer versteht hier wen nicht" hatte Anne Will eingangs gefragt. Auch nach der aufschlussreichen Diskussion dürfte sie die Frage noch oft stellen. Denn, wie Norbert Röttgen sagt: "Erdoğan ist nicht nur die Türkei und die Türkei nicht nur Erdoğan." Gut, dass diese Talkrunde das beherzigt hat.

© SZ.de/mikö/odg
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