"Anne Will" zur neuen Bundesregierung "Lasst die doch erst mal anfangen!"

Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, sagt nach mehr als der Hälfte der Sendezeit, die Flüchtlingspolitik sei "nur ein Punkt, aber doch nicht der einzige!" Die SPD-Frau verweist auf Wohnungsnot und Mietwahnsinn, Pflegenotstand und Bildung - um nur mal ein paar Stichwörter zu nennen -, für die die neue Regierung Antworten gefunden habe, die sie nun umsetzen will. Bislang sei das doch eine rein "akademische Diskussion" gewesen, völlig an den Interessen und Stimmungen in der Bevölkerung vorbei, kritisiert Schwesig den Verlauf der Talkshow.

Man ist geneigt, zu sagen: Es ist eine akademische Diskussion, die vorwiegend von alten Herren aus rechten Burschenschaften getragen wird. Auch wenn die weiteren Teilnehmer der Runde mit Christian Lindner, Sahra Wagenknecht und Welt-Redakteur Robin Alexander weder alt noch unbedingt alte Herren sind, sind ihre Positionen doch alles alte Zöpfe.

Die beiden aus der Opposition sind so etwas von verbohrt in ihre Positionen ("Regierung schlecht, wir gut"), dass keine ihrer Angriffe beim Zuschauer verfangen. Wagenknecht, Fraktionschefin der Linken im Bundestag, versucht es dann mit einem Wechsel zunächst zur Sozial- und dann zur Wirtschaftspolitik und liefert sich einen amüsanten Schlagabtausch mit FDP-Chef Lindner, der natürlich konträre Positionen vertritt.

Lindner hingegen motzt, dass die neue Groko nur Geld verteilt und niemand die wirklichen Herausforderungen wie Digitalisierung angeht und sogar ein eigenes Ministerium dafür fehle. Das sei eine "klassische Querschnittsaufgabe", widerspricht die neue CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Das werde der kommende Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) mit der designierten Staatsministerin Dorothea Bär von der CSU koordinieren. "Aber Heimat ist doch auch eine Querschnittsaufgabe!", lamentiert der Partei- und Fraktionsvorsitzende der FDP.

Irgendwann kurz vor Schluss platzt Schwesig der Kragen: "Lasst die doch erst mal anfangen!", fordert sie. Und damit hat die Frau aus dem hohen Norden so was von recht.

Gemeinsam wirken Kramp-Karrenbauer und Schwesig wie die Stimmen der Vernunft unter lauter Pöblern, die immer wieder Scheinangriffe auf eine Regierung starten, die noch nicht einmal existiert. Es ist kaum auszuhalten. Alle reden in einem undurchschaubaren Wirrwarr durcheinander. Kaum einer lässt den anderen ausreden. Alles bleibt ungeordnet. Die Moderatorin versagt völlig.

Jetzt mal ganz ehrlich, Frau Will: Warum nicht einfach nur drei Gäste? Warum müssen da fünf sitzen? Warum nicht stringente Fragen und Zeit für substanzielle Antworten statt Krawall? Warum nicht weniger Hektik und Aggressivität?

Kopfschmerzen. Einfach nur Kopfschmerzen - und jetzt ist schon wieder Montag.

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