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"Anne Will" zur Wahl in Sachsen-Anhalt:Man hätte gerne mal jemanden aus Sachsen-Anhalt gehört

Anne Will; Anne Will 06.06.

"Sachsen-Anhalt hat gewählt - Stimmungstest für die Bundestagswahl?" Darüber diskutierte Anne Will mit Sahra Wagenknecht, Tino Chrupalla, Volker Bouffier, Robert Habeck und Nadine Lindner.

(Foto: NDR/Wolfgang Borrs; NDR/Wolfgang Borrs/NDR/Wolfgang Borrs)

Die Runde bei Anne Will schwankt zwischen Das-Große-Ganze-Sehen- und Den-Osten-Verstehen-Wollen. Bemerkenswert ist vor allem ein Angriff von Sahra Wagenknecht auf AfD-Mann Tino Chrupalla.

Von Kathrin Müller-Lancé

Es ist eine durchaus beliebte Disziplin im deutschen Informationsfernsehen: die Post-Landtagswahl-Analyse inklusive Deutung für die Bundespolitik. Handelt es sich um die letzte Landtagswahl vor einer Bundestagswahl, wird freilich noch viel emsiger interpretiert.

So auch an diesem Sonntag. Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die CDU von Ministerpräsident Haseloff liegt den Hochrechnungen zufolge deutlich vorne, die AfD an zweiter Stelle. Alles keine riesige Überraschung, aber doch irgendwie diskussions- und verstehenswürdig.

"Jeder sucht sich ja immer was raus", erklärt CDU-Mann Volker Bouffier - er erklärt ohnehin sehr viel im Laufe der Sendung - im Hinblick auf die Interpretation der Wahlergebnisse. Recht hat er. In diesem Fall haben sich Anne Will und ihre Redaktion folgende Talk-Frage rausgesucht: "Sachsen-Anhalt hat gewählt - Stimmungstest für die Bundestagswahl?"

Fast kein Thema scheint so weit weg, als dass man es nicht doch über Umwege mit der Landtagswahl in Verbindung bringen könnte: Es geht um rechtsextreme Tendenzen in der AfD, die umstrittenen Äußerungen des Ostbeauftragten Wanderwitz, aber auch um Armin Laschet, Genderpolitik, den Benzinpreis und Annalena Baerbocks Lebenslauf. Und natürlich geht es ganz viel um "die Menschen". Die Runde schwankt zwischen Das-Große-Ganze-Sehen- und Den-Osten-Verstehen-Wollen.

Bemerkenswert gerät gleich zu Beginn der Sendung ein Angriff der Linken-Abgeordneten Sahra Wagenknecht auf Tino Chrupalla. Wagenknecht, die in letzter Zeit eher durch Entfremdung von ihrer Partei aufgefallen war, attackiert den AfD-Vorsitzenden eine ganze Minute lang: "Sie tun hier, als seien Sie die große Opposition, aber in sozialen Fragen sind Sie der Totalausfall. Sachsen-Anhalt ist nun wirklich ein Landesverband, wo in extremer Weise die Neonazi-Szene präsent ist (...). Sie machen das ganz bewusst, dass Sie sich davon nicht distanzieren."

Bouffier und Habeck versuchen es mit Empathie

Schade, dass Wagenknecht und Chrupalla die einzigen Ostdeutschen sind, die bei Will sitzen. Auch wenn Volker Bouffier aus Hessen (er spricht von "besonderen Herausforderungen in bestimmten Bereichen") und Robert Habeck aus Schleswig-Holstein (er erwähnt "Struktur- und Veränderungserfahrungen") in Sachen Empathie alles geben - man hätte doch ganz gerne mal jemanden aus Sachsen-Anhalt selbst gehört.

Spannend ist zum Beispiel die Frage von Will, wie es denn zum Bild des abgehängten Ostens passe, dass bei den Vorwahlbefragungen in Sachsen-Anhalt die Menschen ihre persönliche wirtschaftliche Situation als gut oder sogar sehr gut beschrieben hätten. Wirklich beantwortet wird das von niemandem.

Bleibt noch die abschließende Deutung für die Bundestagswahl. Bouffier sieht in dem Wahlergebnis "auch einen Erfolg für die Union insgesamt und natürlich für unseren Bundesvorsitzenden", Habeck hingegen "für die Grünen nicht ein Richtungsergebnis für irgendwas". Jeder sucht sich halt immer was raus.

Kathrin Müller-Lancé würde gern von sich behaupten, nur in der Arte-Mediathek unterwegs zu sein. Aber dann schaut sie doch zu gern bei RTL exklusiv nach, was die Promis so machen.

© SZ/olkl/jsa
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