"Anne Will" zum Ukraine-Konflikt "Sie haben eine Medizin, die wirkt nicht"

Anne Will und ihre Gäste am Sonntagabend zum Ukraine-Konflikt

(Foto: NDR/Wolfgang Borrs)

Ist eine härtere Gangart gegen Russland nach dem Vorfall in der Meerenge von Kertsch angemessen, oder nicht? Die Antwort liegt wohl in einem "sowohl als auch".

TV-Kritik von Paul Katzenberger

Seit mehr als vier Jahren herrscht in der Ost-Ukraine Krieg, doch in Deutschland war von dieser Auseinandersetzung in jüngster Zeit kaum noch etwas zu hören. Wer sich für die Region nicht speziell interessierte, konnte fast den Eindruck bekommen, dieser militärische Konflikt auf europäischem Boden habe sich in Luft aufgelöst.

Dass dem nicht so ist, rief die Kollision zwischen der ukrainischen Marine und dem russischen Grenzschutz in der Meerenge von Kertsch am vergangenen Wochenende in Erinnerung. Seither hat sich die Konfrontation der zwei Länder wieder derart zugespitzt, dass sie sogar zum Thema bei "Anne Will" wurde.

"Wie umgehen mit Präsident Putin?" lautete die Frage, die Will ihren Gästen angesichts der Eskalation dieses Konfliktes stellte. Die Antworten, die sie bekam, entsprachen der Dichotomie, die in Deutschland in Bezug auf dieses Zerwürfnis herrscht, seit es ausgebrochen ist.

Da gibt es die Russland-Kritiker, die eine harte Gangart empfehlen - eine Position, die in der Sendung am deutlichsten von Tagesspiegel-Korrespondent Christoph von Marschall vetreten wurde, und in etwas abgeschwächterer Form von CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Ukraine-Konflikt Welche Rolle russische Medien im Konflikt mit der Ukraine spielen
Vorfall in Meerenge von Kertsch

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Noch ist nicht klar, wer an der Eskalation in der Meerenge von Kertsch schuld ist. Zeitungen und Fernsehanstalten in Russland verbreiten allerdings eine recht eindeutige Geschichte.   Von Paul Katzenberger

Und dann gibt es die Russland-Versteher, die vor einer Dämonisierung des Landes warnen, und sich im Großen und Ganzen durch die Aussagen der SPD-Justizministerin Katarina Barley, des Linkspartei-Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch sowie des Politologen Herfried Münkler bestätigt fühlen konnten.

Kramp-Karrenbauer darf ihre außenpolitische Kompetenz beweisen

Kramp-Karrenbauer wurde die Ehre zuteil, das Eingangsstatement abgeben zu dürfen. Dass sie, deren außenpolitische Erfahrung sich darin erschöpft, ein nahe Frankreich gelegenes Bundesland regiert zu haben, überhaupt eingeladen wurde, hat mit ihrer derzeitigen Kandidatur für den CDU-Vorsitz zu tun. Als mögliche künftige Kanzlerin muss sie auch Außenpolitik können, und die Ukraine-Russland-Krise bot nun die Gelegenheit, sie an dem Punkt vor der deutschen Fernseh-Öffentlichkeit zu testen.

AKK, wie die Politikerin wegen ihres sperrigen Namens gerne genannt wird, nutzte die Gelegenheit, sich inhaltlich als sattelfest zu präsentieren. Das Asowsche Meer müsse für ukrainische Schiffe zugänglich bleiben, und auf Russland müsse Druck ausgeübt werden, argumentierte sie schneidig. Ihr Vorschlag: Man solle bei wiederholten Verstößen Russlands gegen den freien Zugang zum Asowschen Meer die Einfahrt von russischen Schiffen in europäische "und am besten auch amerikanische Häfen" blockieren.