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"Anne Will" mit CDU-Kandidat Merz:Schwesig zwang Merz in die Niederungen der Politik

Merz glaubt trotz hohen Einkommens zu wissen, wie "die normale Bevölkerung" lebe - er kenne ihre Probleme. Schließlich habe er in seiner Heimatstadt zusammen mit seiner Frau eine Stiftung für sozial Schwächere gegründet. Das Zeichen hinaus in die Wohnzimmer des Landes: Onkel Friedrich kümmert sich.

Und er hatte noch ein paar mehr Botschaften dabei. Zum Beispiel diese, dass die CDU wieder die Partei des Rechtsstaates sein müsse. "Da werden ja Zweifel geäußert, ob das so ist. Diese Zweifel sind nicht ausgeräumt." Merz sagte das im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise 2015. "Auf welcher Rechtsgrundlage sind die Grenzen geöffnet worden?" Diese Frage wird vor allem vom rechten Spektrum gestellt, während das linke Spektrum die "Grenzöffnung" für einen Mythos hält. Grenzen, so diese Argumentationslinie, habe es im europäischen Schengenraum schließlich gar nicht mehr gegeben.

Die Grüne Annalena Baerbock warf daran anknüpfend bei "Anne Will" ein: "Die Grenzen waren ja offen. Die Frage war nur, ob man sie zumacht." Merz verwies an dieser Stelle auf die sogenannten Dublin-Abkommen, nach denen Flüchtlinge in dem Land ihr Asylverfahren absolvieren müssen, das sie innerhalb der EU zuerst betreten. Um dann selbst zu schließen: "Es macht keinen Sinn, diese Schlachten noch einmal zu schlagen." Höchstens dann, wenn man die Wähler von der AfD zurückholen will. Und das will er. Ausdrücklich. Deshalb soll seine CDU auch wieder das Zuhause sein für Menschen mit einer nationalen Identität, mit einem gesunden Patriotismus. Er meinte wieder einen Teil der AfD-Wähler.

Dazu müsse die Partei für innere Sicherheit stehen, für Europapolitik, für sozialpolitische Verantwortung und für Klimapolitik. Da bleibt eigentlich für die anderen nichts mehr übrig. Oder, Frau Schwesig?

"CDU und CSU machen das ja nicht aus bösem Willen"

Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und stellvertretende Vorsitzende der SPD hatte allerdings nicht vor, sich vom charmanten Friedrich Merz einwickeln zu lassen. Sie blieb bei der Frage, ob gerade er der Richtige dafür sei, wieder mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft zu erzeugen. Sie zwang ihn in die Niederungen der Politik hinab, etwa bei den Forderungen nach kostenfreien Kitas, höheren Renten und einem härterem Vorgehen gegen Steuerbetrug. Die Leute hätten es satt, dass die Großen Geschäfte zulasten der Kleinen machten. Annalena Baerbock brachte außerdem mehr Bahnhöfe und Hebammen auf dem Land ins Spiel, um den Menschen dort zu zeigen, dass sie nicht abgehängt seien.

Alles schöne Vorschläge, Freidrich Merz nickte meistens. Für Widerworte fehlte ihm wohl das Fachwissen, so tief drin in der Materie ist er noch nicht. Merz sagte nur, fast kleinlaut: "CDU und CSU machen das ja nicht aus bösem Willen, sondern man muss ja auch die Staatsfinanzen in Ordnung halten."

So lernte das Publikum einen fast milde gestimmten Friedrich Merz kennen. Der zwischendurch erklärte: "Ich grenze mich nicht von Angela Merkel ab." Und der am Ende Frau Schwesig und Frau Baerbock so häufig zustimmte, dass man sich fragte, ob er sie vielleicht beim nächsten Mal wählen würde. Plus folgender Anfeuerung: "Auf geht's!"

© SZ.de/jobr
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