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"Anne Will" zu Fridays For Future:Gretas messerscharfe Botschaften

  • Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat bei Anne Will einen erstaunlichen Auftritt.
  • Sie wirkt eher schüchtern, manchmal abwesend. Ihre Analysen aber sind punktgenau.
  • Die Talksendung liefert auch Dank Theresa Kah den erwarteten Generationenkonflikt.

Und das soll eine Ikone sein? Das große Vorbild für Jugendliche in aller Welt? Greta Thunberg ist für den Friedensnobelpreis nominiert. Ein Star, hofiert von Prominenten und Medien. Weil sie gerade in Deutschland ist, widmet eine der wichtigsten Talkshows im deutschen Fernsehen den Sonntagabend in der ARD ihrem Anliegen: "Ändert Generation Greta die Politik?"

Und jetzt sitzt sie da auf einem Holzstuhl in einem schmucklosen Raum, interviewt von Anne Will. Ein 16-jähriges Mädchen aus Stockholm, Schweden. Klein, eher unscheinbar, mit zwei langen, geflochtenen Zöpfen. Ihr Blick schweift durch den Raum, sie wirkt zuweilen abwesend, spricht leise und langsam, blickt sehr ernst. Oft unterbricht sie ihre Sätze, denkt kurz nach, spricht weiter. Ihre Worte und Botschaften aber sind klar und messerscharf. Der Kontrast ist bemerkenswert.

"Fridays for Future"

Greta Thunberg spricht und Tausende kommen

Vor fünf Jahren diagnostizierten Ärzte bei ihr das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Sie sagt, es beeinflusse ihr Denken stark. Es beeinflusst auch ihr Auftreten. Sie wirkt schüchtern, zurückhaltend, fast verklemmt.

Angefangen hat alles mit einer Dokumentation über Plastikmüll im Meer, die Greta Thunberg in der Schule gesehen hat. Die soll sie tief bewegt und eine Art innerer Krise ausgelöst haben. Bald danach begann sie, sich mit dem Klimawandel und dessen Folgen zu beschäftigen. Am 20. August 2018 dann ging sie erstmals in den Schulstreik. Sie saß allein vor dem schwedischen Parlament, neben sich ein handgeschriebenes Schild mit der Aufschrift "Skolstrejk för Klimatet", Schulstreik für das Kima.

Sie fordert, dass die Erwachsenen, vor allem die Politiker, endlich etwas gegen die Erderwärmung tun. Sie sieht eine Katastrophe auf die Erde zukommen und damit vor allem auf die jüngere Generation, die das alles ausbaden muss. Inzwischen haben sich Hunderttausende Schüler in aller Welt ihrer Bewegung angeschlossen und gehen unter dem Motto "Fridays for Future" jeden Freitag demonstrieren statt in die Schule.

Woher ihre Entschlossenheit kommt? "Ich bin eine Realistin, ich sehe Fakten. Ich weiß, was getan werden muss, und dann tue ich es auch. Ich habe keine Zweifel und muss es nicht überdenken. Es gibt keine andere Wahl", sagt sie in dem Interview mit Anne Will.

Greta Thunberg fliegt nicht, kauft sich keine neuen Kleider, lässt sich nichts zu Weihnachten schenken, isst vegan. "Ich sehe Dinge sehr schwarz-weiß. Für mich lebt man entweder nachhaltig oder nicht, man kann nicht ein wenig nachhaltig sein."

Anne Will - Talkrunde mit Greta Thunberg

"Streiken statt Pauken - ändert die Generation Greta die Politik?" - so lautete das Thema in der Talksendung von Anne Will.

(Foto: NDR/Wolfgang Borrs)

"Natürlich werde ich nicht manipuliert"

Ob sie manipuliert oder instrumentalisiert wird? Eine Frage, die im Internet gerne und häufig gestellt wird. Greta Thunberg wird auf Social-Media-Plattformen bisweilen heftig angegriffen. Ihre Antwort: "Es ist einfach lächerlich, dass Menschen so wenig voneinander halten. Dass sie versuchen, andere niederzumachen. Und dass niemand einfach etwas für einen guten Zweck tun kann. Es müssen immer versteckte Beweggründe dahinterstehen. Das ist sehr traurig." Und: "Natürlich werde ich nicht manipuliert."

Ihre Worte werden in einem Teil der Gesellschaft nichts bewirken. Es gibt eine lauter werdende Gruppe, die behauptet, der Mensch habe mit dem Klimawandel nichts zu tun. Das ist zwar bar jeder Vernunft und mehr als 95 Prozent der Wissenschaftler auf der Welt sehen das anders. Aber manche glauben eben, was sie glauben wollen.

Nach dem Interview ist in der Diskussionsrunde für Klimaskeptiker kein Platz. Was Zeit und Raum eröffnet, um über das Problem zu reden. Und wie es eventuell gelöst werden könnte.