Anke Engelke beim WDR Kracher in Köln

Warum wollen alle immer schöner, schlauer, schneller sein? Anke Engelke sucht nach Antworten.

(Foto: WDR/Good Karma)

Sie war lange Zeit das lustige Gesicht von Sat 1. Jetzt ist Anke Engelke immer öfter im WDR zu sehen. Und experimentiert plötzlich mit Studenten.

Von Hans Hoff

Auf einmal ist überall Anke Engelke zu sehen. Zumindest im WDR. Sie reist in dieser und in der kommenden Woche als öffentlich-rechtliche Fernsehansagerin durch die Jahrzehnte, sie zeigt als Dozentin an der Kölner Kunsthochschule Studenten, wie das mit dem Humor geht, und sie beschäftigt sich in einer zweiteiligen Doku mit der Frage, warum die Menschen immer meinen, sich optimieren zu müssen.

Und bald schon kommt von der Frau, die Eltern als Gast bei dem vom WDR produzierten Kinderformat Sendung mit dem Elefanten schätzen, auch wieder die WDR-Langstreckenkultursendung Anke hat Zeit.

Engelke distanziert sich von Sat 1

Das alles wirkt ein wenig gewöhnungsbedürftig, weil Engelke ja lange als das lustige Gesicht von Sat 1 galt. Sie hat einst die Wochenshow geprägt, und mit Ladykracher war sie eine kleine Ewigkeit das komödiantische Aushängeschild des Kommerzkanals. Auf einmal teilt sich so eine den Bildschirm vor allem mit dem WDR-Logo.

"Ich habe seit der letzten Ladykracher-Staffel nix bei den Privaten gemacht, und das fühlt sich gut an, weil ich nicht gut ausblenden kann, was drumherum läuft", sagt sie. Sie hat etliche Geschäftsführer kommen und gehen sehen und sich wohl lange eingeredet, es berühre ihre Arbeit nicht. Für sie war wichtig, dass sie mit ihrer Crew in Ruhe drehen konnte. Aber irgendwann ließ sich offenbar die traurige Erkenntnis nicht mehr verbergen, dass Sat 1 zum Spielball der Investoren geworden ist, zu einem Sender, der für nichts steht.

Also ist Engelke jetzt ein bisschen ein WDR-Gesicht. Sie kann beim Sender Projekte verwirklichen, die sie wirklich interessieren. Sie kann es vor allem an ihrem Wohnort Köln tun und nebenbei studieren, wie die Menschen so sind. "In den drei Stunden, die ich heute beim Straßenverkehrsamt verbracht habe, habe ich unglaublich viel gelernt und aufgesogen", berichtet sie. Sie schaut sehr genau, was die Menschen um sie herum wie tun.

Wie passen Nasenhaarschneider und Superman in einen Sketch?

Das, was sie sieht, lässt sie einfließen in ihre Arbeit. Beispielsweise in ihre Ansagerinnen-Miniaturen, die den 50. Geburtstag des WDR Fernsehens veredeln sollen. Knapp einminütige Clips sind es nur, in denen sie vor den Beiträgen der WDR-Innovationswochen plötzlich aussieht wie die Damen im Fernsehen der Sechziger- und Siebzigerjahre. Sechs Figuren stellt sie dar, so wie sie das früher auch schon getan hat bei Ladykracher. Allerdings lassen die neuen Produktionen ein bisschen sehr die öffentlich-rechtliche Handschrift erkennen. Wirklich witzig ist da wenig.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk Schnarch raus, Frische rein
Programmoffensive des WDR

Schnarch raus, Frische rein

Das WDR-Fernsehen probt zwei Wochen lang die Zukunft - mit ganz viel Power - und einer Anke Engelke als Fernsehansagerin im Wandel der Jahre.   Von Hans Hoff

Nur mäßig gelungen ist auch die Dokumentation Schöner, schlauer, schneller - Anke Engelke und die Selbstoptimierer. Da spielt sie die Naive, die nichts weiß und sich aufmacht, alles zu erfahren. Das ist zu konventionell inszeniert, als dass es irgendwen interessieren würde, stünde nicht die Engelke im Titel.

Sketche mit Studenten kommen an die guten Ladykracher-Zeiten ran

Während die Doku wenig bietet, kommt die dritte Engelke-Aktivität in dieser Woche mit viel Untertreibung daher und ist in Wahrheit ein Knaller. Zum Lachen aus'm Keller heißt der und zeigt, was Studenten an der Kölner Kunsthochschule für Medien im Seminar bei Frau Engelke über Humor in der Sketchcomedy gelernt haben.

Engelke hat ihnen Aufgaben gestellt und dann nach den so entstandenen Texten mit den Kollegen Daniel Wiemer, Charly Hübner und Bjarne Mädel kleine Filme drehen lassen. Die sind streckenweise so witzig, dass sie an die guten Ladykracher-Zeiten erinnern. Es geht um gescheiterte Bankräuber, um ein Rendezvous mit einem Frosch und die Frage, wie sich die Begriffe Superman, Wichskabine und Nasenhaarschneider komödiantisch in einem Sketch verbinden lassen.

"Man nimmt eine ganz normale Situation, nur eine Sache passt nicht", beschreibt Engelke die Ausgangslage für einen guten Sketch. Aber wie Humor nun wirklich geht, weiß auch sie nicht. "Es gibt zu viele Antworten auf diese Frage", sagt sie am Schluss. Es wäre schön, gäbe der WDR ihr und ihren Studenten noch ein wenig Zeit, das Thema weiter zu erforschen.

Von Sat1 zum WDR, Anke Engelke ist momentan in zwei Projekten des öffentlich-rechtlichen Senders zu sehen.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)

Schöner, schlauer, schneller, Donnerstag, 22 Uhr; Zum Lachen aus 'm Keller - Humor an der Hochschule, Samstag, 22.45 Uhr.