Zeitschriften:Natürlich mit Raute

Zeitschriften: Revue aus 16 Jahren: Merkels Humor, ihr Regierungs- und ihren Kleidungsstil, ihre Datsche in der Uckermark, ihre berühmtesten Sätze und ihre Neujahrsansprachen.

Revue aus 16 Jahren: Merkels Humor, ihr Regierungs- und ihren Kleidungsstil, ihre Datsche in der Uckermark, ihre berühmtesten Sätze und ihre Neujahrsansprachen.

(Foto: Oliver Wurm)

Ein Magazin widmet sich zum Abschied der Bundeskanzlerin.

Von Katharina Riehl

Der beste Teil des Magazins Die Kanzlerin fällt heraus, wenn man es schüttelt. Es ist ein kleines dünnes Heftchen, das Oliver Wurm seinem Abschiedsheft für Angela Merkel beigelegt hat, und es enthält eine sehr hübsche Sammlung: 250 "Eil-Meldungen" der Nachrichtenagentur dpa. 250 mit dem Wörtchen "Eil" versehene Meldungen, die in den Redaktionen der Republik seit dem 22. November 2005 aufploppten, als dpa um 10.53 Uhr informierte: "Angela Merkel zur ersten deutschen Bundeskanzlerin gewählt." 250 Eil-Meldungen, die einschließlich August 2021 das Wort "Merkel" enthielten.

Das Heftchen mit den Eil-Meldungen ist Zeitgeschichte auf 27 Seiten, ein völlig emotionsloser Überblick über 16 Jahre Kanzlerinnenschaft und, einerseits, eine sehr unaufgeregte Erinnerung an die oft kurze Halbwertzeit politischer Aufreger: an die Bemühungen um die Gesundheitsreform im Jahr 2006 etwa, die Debatte um die Opel-Rettung 2008, die Berichte über die US-Überwachung von Merkels Mobiltelefon 2013. Andererseits liest man dann aber auch, dass Angela Merkel sich am 6. Juni 2007 um 14.53 Uhr "optimistisch" über die Fortschritte beim Klimaschutz geäußert hat und muss einmal sehr tief durchatmen.

Dreizehn Cartoonisten haben Merkels Ausstieg aus der Politik gezeichnet

"Die Kanzlerin in 250 Eil-Meldungen" ist Teil des Abschiedsmagazins von Oliver Wurm für die Kanzlerin Angela Merkel, ein sicher logisches Projekt für den Hamburger Verleger, der zuletzt das "Grundgesetz als Magazin" an den Kiosk legte und vor zehn Jahren auch schon die Bibel. Eine allumfassende Merkel-Abhandlung soll das Heft sein, mit Texten von, zum Beispiel, Ulrike Posche, Hajo Schumacher, Micky Beisenherz, Nicole Diekmann und Andreas Rinke. Beigelegt sind 16 bunte Aufkleber mit Merkels berühmtem Satz "Wir schaffen das", 13 Cartoonisten haben Merkels Ausstieg aus der Politik eine Zeichnung gewidmet. "Was war? Was bleibt?" lauten die mit - Vorsicht, ein Layout-Witz! - Rauten hinterlegten Leitfragen auf dem Titel des Hefts.

Im Gegensatz zum Grundgesetz-Projekt krankt das Kanzlerin-Heft natürlich daran, dass es eine von unzähligen Publikationen ist, die dieser Tage das Ende der Ära Merkel beleuchten. Bücher, Magazine, Zeitungen und Zeitungsbeilagen arbeiten sich seit dem Frühjahr an den vergangenen 16 Jahren ab, und logischerweise ist es auch für die Autoren und Autorinnen dieses Magazins schwer möglich, noch einen Gedanken zu finden, den noch nie jemand gedacht hat. Es geht um Merkels Humor, ihren Regierungs- und ihren Kleidungsstil, um ihre Datsche in der Uckermark, um ihre berühmtesten Sätze und ihre Neujahrsansprachen. Vielleicht formuliert man es so: Die Kanzlerin Angela Merkel wird auch in diesem Heft nicht noch einmal neu erfunden.

Bleibt also die Sammlung der 250 eiligen Merkel-Meldungen, die durchaus passend mit dem einem Thema endet, auf das Angela Merkel zum Ende ihrer Amtszeit sicherlich gerne verzichtet hätte - mit dem verkorksten Abzug aus Afghanistan. Am 26. August 2021 um 18.58 Uhr meldete die dpa: "Merkel geht von einem oder mehreren Selbstmordanschlägen aus." Gut möglich, dass die Katastrophe von Kabul eine der Sachen ist, die bleiben werden.

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