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Angeblicher Babykauf in Bulgarien:Undercover trifft Undercover

Eine Annonce, ein Interessent, ein Treffen in Bulgarien, um über den Kauf eines Babys zu verhandeln: Es sollte eine große investigative Reportage werden. Herausgekommen ist eine Lachnummer, bei der zu viele Journalisten im Spiel waren.

Die einen wollten herausfinden, ob man in Bulgarien einfach so ein Baby kaufen kann. Die anderen wollten herausfinden, wer in ihrem Land einfach so ein Baby kaufen will. Durch eine bizarre Verwicklung sind zwei Teams von Investigativjournalisten aneinandergeraten - der Unterhaltungswert übertrifft dabei den Erkenntnisgewinn bei weitem.

Die beiden Investigativ-Journalisten Jonathan Calvert und Heidi Blake der britischen Sunday Times hatten undercover eine Anzeige in einem Forum geschaltet, um angeblichen Babykäufen in Bulgarien nachzuspüren. Die Online-Annonce eines Paares mit unerfülltem Kinderwunsch entdeckten wiederum ausgerechnet Reporter des bulgarischen Senders Nova - und die Redaktion schickte ihrererseits die Journalistin Veronika Dimitrova als vermeintliche Verkäuferin los.

Man tauschte Mails und Informationen aus und traf sich in Bulgarien. Nach dem Kennenlernen, bei dem es zu keinem Deal kam, gaben sich die beiden Reporter der Sunday Times zu erkennen. Daraufhin outete sich auch die bulgarische Journalistin. Die Nova-Reporter hatten die Begegnung auch heimlich aufgenommen und veröffentlichten im Nachgang einen TV-Beitrag dazu (hier bei Youtube zu sehen).

"Es ist interessant, dass auch die bulgarischen Journalisten Babyhandel als gerechtfertigtes Thema für eine Recherche angesehen haben", sagte ein Sprecherin der Sunday Times. Die beiden Briten nahmen die Begegnung Nova zufolge mit Humor: Sowas sei ihnen noch nie passiert. "Das gehört zu den verrückten Dingen, die Undercover-Journalisten erleben können, die ein bisschen tricksen", kommentierte Journalismus-Professor Roy Greenslade im Medien-Blog des Guardian.