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Andrew Breitbart:Meister der öffentlichen Meinung

Richtigstellungen oder Eingeständnisse von Fehlern findet man auf Breitbarts Seiten nicht. Man kann ihm auch nicht vorwerfen, er würde seine Intentionen verheimlichen. In einem Interview sagte er einmal, er würde gerne "als der Mann in die Geschichtsbücher eingehen, der die amerikanische Linke besiegt hat".

Die Frage ist, warum so eine Figur in den USA als legitime, ernstzunehmende Stimme in der Debatte gilt. Die Karriere von Breitbart erzählt viel über das Mediensystem im Jahr 2010 und dessen Verhältnis zu dem Datenpaket, das man Wirklichkeit nennt.

Andrew Breitbart wuchs in Hollywood auf, sozusagen hinter den Frontlinien, im Hort des Bösen. Er versuchte sich nach dem Studium eine Weile als Filmproduzent, war aber zunehmend angewidert vom "Limousinen-Liberalismus" seiner Heimatstadt. In den frühen 90er Jahren abonnierte er den Drudge Report, einen Online-Newsletter mit einem seltsamen Mix aus rechtskonservativen Meinungsstücken, politischen Verschwörungstheorien und Bildern von Wirbelstürmen und Erdbeben.

Lehrjahre in der Gerüchteküche

Breitbart wurde vom Leser zum Mitarbeiter des Blogger-Urvaters Matt Drudge. Gerade während des Sex-Skandals um Monica Lewinsky und Bill Clinton trieb der Drudge Report die etablierten Medien vor sich her, nicht unbedingt, weil Breitbart und seine Co-Autoren schneller an Informationen kamen als die Journalisten, sondern weil sie keine Hemmungen hatten, jedes Gerücht zu veröffentlichen, das in ihr Weltbild passte (und die Klickzahlen steigerte).

Drudge und Breitbart experimentierten bereits in den späten 90er Jahren mit der gnadenlosen Geschwindigkeit, die die öffentliche Debatte im Zeitalter von Live-Stream und Twitter kennzeichnet. Breitbart lernte, dass man "die Medien auch spielen kann. Man kann sie dazu zwingen, über bestimmte Dinge zu berichten."

2005 half er der reichen Politik-Aktivistin Arianna Huffington dabei, ihre Website Huffington Post aufzubauen, eine bunte Mischung aus Politik, Leserbeiträgen und Promi-Kolumnen, die mittlerweile zu den erfolgreichsten amerikanischen Netzmedien zählt, und zum wichtigsten Forum der Linken geworden ist. Es besitzt eine gewisse Ironie, dass ausgerechnet Breitbart seinen politischen Gegnern dieses Werkzeug geliefert hat. Aber damals brauchte er das Geld.

Nach seinem Abschied bei der "HuffPo" waren Breitbarts Lehrjahre vorbei. Er hatte die Struktur und Regeln der digitalen Infosphäre mitgeprägt und verinnerlicht, nun war es Zeit für etwas Eigenes. Der Amerikaner ist perfekt an die Lebensbedingungen der neuen Zeit angepasst. "Ich habe die Aufmerksamkeitsstörung", erklärt Breitbart, während er rastlos Mails und Tweets schreibt, und über Blogs und Nachrichtenseiten surft. Er hat verstanden, dass man im Netz in der Sache nicht immer recht haben muss, wenn man sich nur als Erster äußert. Seine manische Schreibwut, die vielen Kommentare auf allen Kanälen, sind ein Versuch, die aktuellen Geschichten und deren Bewertung kontinuierlich zu formen. Breitbarts Clips und Texte erreichen mitunter den Produktionsstandard von TV-Serien, samt Kostümen, Maske und Drehbuch, und sie zeigen den Gegner so, wie man ihn in der amerikanischen Rechten schon immer gesehen hat.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum sich Breitbart selbst als Widerstandskämpfer sieht.