Amazon-Serie "Tales from the Loop":Schüchterne Roboter

Sieht fantastisch aus: "Tales from the Loop" erzählt von einer Kleinstadt, in der merkwürdige Dinge passieren.

Von Kathleen Hildebrand

Die Bilder des schwedischen Künstlers Simon Stålenhag sehen so vertraut und gleichzeitig irritierend aus wie Erinnerungen an eine Kindheit in einem Paralleluniversum. Blonde Jungs spielen im Weizenfeld, Jugendliche hängen an einem Aussichtspunkt rum. Aber im Hintergrund stehen haushohe Roboter, außerirdisch blau leuchtende Fabriktürme oder schwebende Traktoren, die aussehen, als hätten sie schon bessere Zeiten erlebt. Die neue Amazon-Serie Tales from the Loop überträgt diese faszinierende Stimmung, die das Außergewöhnliche als Normalität darstellt, auf den Bildschirm. Das sieht fantastisch aus, zeigt aber auch, wie schwer es ist, eine unbewegte, vom Geheimnis lebende Kunstform in eine andere zu übertragen, die Geschichten braucht und ja, auch Spannung.

Amazon-Serie "Tales from the Loop": Für Kinder ist die Welt noch so neu und fremd wie Simon Stålenhags retrofuturistische Artefakte.

Für Kinder ist die Welt noch so neu und fremd wie Simon Stålenhags retrofuturistische Artefakte.

(Foto: Amazon Prime Video)

Tales from the Loop ist das aktuelle Prestige-Projekt von Amazon: Jodie Foster führt bei einer Folge Regie, die Ausstattung kommt von Philip Messina, der den Look der Tribute von Panem-Reihe geschaffen hat, und mit Rebecca Hall (Parade's End) und Jonathan Pryce (Die zwei Päpste) spielen zwei herausragende Schauspieler wiederkehrende Rollen in dieser lose verknüpften Anthologie von Geschichten aus einer kleinen, nach den Achtzigerjahren aussehenden Stadt, in der merkwürdige Dinge passieren.

Wie schafft man es, eine echte Beziehung aufzubauen?

Während Stålenhags digital erstellte Bilder die ländliche Gegend um Stockholm zeigen, spielt Tales from the Loop in Mercer, Ohio. Unter der Kleinstadt liegt ein Teilchenbeschleuniger, der sogenannte "Loop", der das Leben ihrer Bewohner auf mysteriöse Weise prägt. Das Forschungszentrum erkundet angeblich die Geheimnisse des Universums, wirkt aber eher wie ein mittelständisches Familienunternehmen, in dem die Belegschaft geschlossen um fünf in den Feierabend geht. Der Einfluss des Loops ist jedoch nicht so beschaulich: In der Pilotfolge verschwindet erst die Mutter eines Mädchens - sie hat an einem Teil der außerirdisch anmutenden Kugel geforscht, die den Loop anzutreiben scheint - und kurz darauf ist auch das Haus nicht mehr da, in dem die beiden gelebt haben. Eine verrostete Stahlkugel an der Oberfläche gibt mit dem Echo in ihrem Inneren Auskunft über die verbleibenden Lebensjahrzehnte der Person, die in sie hineinruft. Und Traktoren wie Menschen werden in parallel existierende Realitäten gesaugt, in denen sie, zum Beispiel, sich selbst begegnen.

All das sind vielversprechende Ideen. Tales from the Loop könnte genau die Art von nachdenklicher Science-Fiction sein, zu der Filme wie Arrival, Moon oder Solaris gehören. Aber weil in dieser Serie, zumindest in den drei Episoden, die Rezensenten vorab zugänglich waren, so wenig passiert und sie so viele Antworten bewusst verweigert, frustriert sie am Ende beide Zielgruppen: Freunde harter Science-Fiction, die sich für plausible technische Konzepte interessieren, als auch die, denen tiefgründige menschliche Geschichten wichtiger sind. Auf Letztere scheint Tales from the Loop es abzusehen. Die Themen der Episoden sind Mutterschaft, Verlust, Trauer, Einsamkeit und die Frage, wie man es schafft, eine echte Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen. Aber sie sind so wenig überraschend, dass es auch nicht hilft, wenn zwischendurch ein ramponierter Roboter schüchtern hinter zwei Birken im Wald hervorlunzt. Von Stålenhags wunderbaren Bildern hätte diese Serie vielleicht doch mehr Außergewöhnlichkeit und etwas weniger von der Banalität übernehmen sollen.

Tales from the Loop, auf Amazon Prime Video.

© SZ vom 03.04.2020
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