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Amazon-Serie "Für Umme":Gegen jede Logik

Eine Serie über einen Schauspieler, der es nicht bringt? Da gibt es natürlich schon auf der Metaebene einiges zu holen.

(Foto: Amazon)

Die Serie "Für Umme" erzählt von einem Schauspieler, der es unbedingt schaffen will in einer Branche, die seine Liebe nicht erwidert - und es vorläufig eher nicht hinkriegt.

Von Cornelius Pollmer

Der Schauspieler Heinrich Schafmeister verglich vor einigen Jahren Mensch und Tier in einer Weise, die man kaum vergessen konnte, wenn einem die Kunst auch nur zwei Gramm mehr als nichts bedeutet. Schafmeister gehörte schon damals dem Branchenverband BFFS an, und in seiner Funktion als Gewerkschafter erzählte er der FAZ etwas über das Lohngefüge in seiner Zunft: "Eine Katze bekommt 350 Euro am Tag, ein Hund 450 und eine Kuh 400. Ich weiß definitiv, dass etliche Kollegen weniger verdienen, Sondertarif eben."

Ein Superspezialtarif unter den Sondertarifen ist nun titelgebend für eine Serie, die bei Prime Video zu sehen ist, der Videosektion des Alles-muss-raus-Riesen Amazon, bei dem man derzeit noch keine Katzen oder Kühe kaufen kann, aber das ändert sich bestimmt auch noch. Für Umme jedenfalls heißt die Serie, und sie folgt dem 33-jährigen Mo Mikkelsen (Michael Fritz Schumacher) bei seinem Versuch, es als Schauspieler gegen jede Logik doch noch zu schaffen in einer Branche, die seine Liebe bislang kaum erwidert hat.

Eine Serie über einen Schauspieler, der es nicht bringt? Da gibt es natürlich schon auf der Metaebene einiges zu holen, und das machen Autor Vlady Oszkiel und die Produktion Kater Film dann auch. Mikkelsens Mutter etwa wird gespielt von Sabine Vitua, die Sehgewohnheitstiere bestens als oft betrunkene, noch häufiger wahnsinnige Agentin von Bastian Pastewka aus dessen ja ebenfalls zu Amazon ausgeschiffter Serie kennen.

Aber auch auf der sehr direkten Erzählebene haben die gut zehnminütigen Episoden von Für Umme etwas zu bieten. Der Protagonist erwacht zum Auftakt der Pilotfolge in einer Badewanne, von deren sonstigem Inhalt man nur hoffen kann, dass es - na ja - kein Pipi ist. Er begibt sich dann auf eine kleine Flucht, und der Bildschirm friert genau in dem Moment ein, als sich Mo Mikkelsen nicht nur seinen Publikum vorstellt, sondern sich zusätzlich erbricht.

Das Leben, es ist eben manchmal zum Kotzen - und es wird für Mo Mikkelsen nicht besser dadurch, dass er mit seinen Eltern zum Essen verabredet ist. "Möhrchen, wo bleibst du denn?", fragt die Mutter auf seiner Mailbox, und wenn die Demütigung da nur beginnt, bringt sie der Vater (Heiko Pinkowski) am Tisch im Restaurant zu voller Blüte. "134 878 Euro und 23 Cent" schulde der Sohn seinen Eltern nach Abzug aller Freundlichkeiten. Der Cent-Betrag sei gewiss nicht so wichtig, aber: "Moritz, wird Zeit, dass du aufwachst!" - und ob er nach dem Aufwachen "diese Schauspielgeschichte da" weitermachen wolle oder nicht, sei natürlich seine Sache, sagt der Vater und meint vergleichsweise unverhohlen das Gegenteil.

Nicht nur wegen der Kürze der Episoden ist Für Umme schnell erzählt. Auch viele Plot-Ideen funktionieren trotz begrenzter Tanzfläche ganz gut, wie auch die Grundidee der Serie ihre Freunde finden dürfte: es vorläufig nicht hinkriegen, dabei aber nicht an Langeweile sterben - da lässt sich was erzählen.

Mo Mikkelsen kriegt es nicht hin, als er bei einem Casting zwar erst einen Konkurrenten im Warteraum wegblufft ("Warum nimmst 'n du die alte Fassung?"), dann aber an Martin Semmelrogge scheitert, der etwas verhalten ein Regisseur-Ekel spielt ("Dich kann man auch nur als Schwenkfutter benutzen!"). Das ist in Summe häufiger lustig, als es nicht lustig ist, und über so viele Produktionen kann man das nun auch wieder nicht sagen.

Für Umme, bei Amazon.

© SZ/ebri/tyc
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