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Streit um Kohl-Buch:Zitierte Äußerungen sollen Freundschaft zu Gorbatschow beschädigt haben

Frankfurter Buchmesse 2014 Autor Heribert Schwan Vermächtnis Die Kohl Protokolle am 08 10 201

So nah wie Heribert Schwan kamen dem Altkanzler wenige.

(Foto: imago/STAR-MEDIA)

Die Anwälte Kohls erläutern das in ihrer Klage an einigen Beispielen. In dem Schwan-Buch fand sich etwa eine nicht sehr freundliche Bemerkung Kohls über den früheren Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz. Die Anwälte weisen darauf hin, dass Kohl in einem Tagebuch geschrieben hatte: Er ist eine gute Wahl. Kohl habe "offenkundig bewusst" darauf verzichtet, seine persönliche Meinung über Merz öffentlich zu machen. Sein ehemaliger Biograf tat es: Merz sei ein "politisches Kleinkind", soll Kohl gesagt haben.

Was Merz dazu sagte, ist nicht bekannt. In einem anderen Fall sollen die zitierten Äußerungen des Altkanzlers die Freundschaft zu Michail Gorbatschow "massiv beschädigt" haben. Bis heute sei Gorbatschow "tief verletzt". Schwan hatte Kohl in seinem Buch sagen lassen, Gorbatschow sei "gescheitert". Diese Aussage, so die Anwälte des Altkanzlers, sei "aus dem Zusammenhang gerissen und daher verkürzt und grob verzerrt dargestellt worden". Niemals hätte Kohl so etwas veröffentlichen lassen.

"Wir haben das Buch nicht veröffentlicht, um Helmut Kohl zu schaden", sagt Rainer Dresen, der Leiter der Rechtsabteilung bei Random House. Das Werk sei wichtig, "um zu zeigen, wie er sich ungeschönt geäußert hat. Es ist doch interessant und historisch relevant, was er wirklich über Gorbatschow dachte".

630 Stunden Gespräche

Random House argumentiert in einer 49 Seiten langen Klageerwiderung, dass die 630 Stunden Gespräche nicht mit einem "Schlagersternchen" geführt worden seien, sondern mit einem der bedeutendsten "Staatsmänner der vergangenen fünfzig Jahre" und dass Teile davon nicht "in die offiziellen Memoiren einfließen würden - aus welchen Gründen auch immer". Und da es zwischen Kohl und Schwan keine explizite Vereinbarung gegeben habe, was damit zu geschehen habe, hätten die Zitate veröffentlicht werden dürfen. Der Verlag weist ohnehin zurück, am angeblichen Bruch einer Geheimhaltungspflicht beteiligt gewesen zu sein. Es habe keine vertraglichen Vereinbarungen zwischen Kohl und Random House gegeben, also habe auch nichts gebrochen werden können.

Zudem sei das geforderte Schmerzensgeld viel zu hoch, schreiben die Anwälte von Schwan und dem Verlag. Sie verweisen auf den Fall von Jörg Kachelmann, der 635 000 Euro zugesprochen bekommen hatte, teilweise für Verletzungen der Intimsphäre. Solche Verletzungen würden "ungleich schwerer wiegen" als die "möglichen Bloßstellungen" durch die Veröffentlichung "unverblümter" Zitate eines Politikers. Die Anwälte von Schwan und Random House nennen es unverblümt. Die von Kohl unmoralisch.

© SZ vom 03.03.2016/olkl
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