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Reaktionen auf #allesdichtmachen:"Abgehoben und zynisch"

Internetaktion #allesdichtmachen

Es waren mal 53 - darunter: (von links nach rechts) Jan-Josef Liefers, Nina Proll, Nadja Uhl, Ulrich Tukur, Wotan Wilke Möhring, Maxim Mehmet, Katharina Schlothauer, Peri Baumeister und Richy Müller.

(Foto: dpa, #allesdichtmachen via Youtube)

Da waren es nur noch 34: Ulrike Folkerts, Meret Becker und Richy Müller und weitere Schauspieler ziehen ihre Videos zur Corona-Politik zurück - nach heftiger Kritik.

Von Elisa Britzelmeier

Nach der umstrittenen Aktion #allesdichtmachen haben zahlreiche Schauspielerinnen und Schauspieler ihren Beitrag zurückgezogen. Von ursprünglich 53 Videos, die am Donnerstag im Internet veröffentlicht wurden, waren am Sonntag noch 34 übrig. In den von Teilnehmenden als ironisch-satirisch bezeichneten Videos ging es um die Corona-Politik der Bundesregierung. Mitgemacht hatten Film- und Fernsehschauspieler wie Jan Josef Liefers, Volker Bruch und Nadine Dubois. Mehrere Schauspielerinnen und Schauspieler distanzierten sich nach ihrer Teilnahme von der Kampagne.

Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts bezeichnete die Aktion als "Fehler", Heike Makatsch schrieb auf Instagram, sie habe das Leid der Opfer der Pandemie nicht schmälern wollen. Auch Meret Becker, Ken Duken, Kostja Ullmann, Christine Sommer und Martin Brambach zogen ihre Videos zurück und äußerten ihr Bedauern. Richy Müller sagte, er sei "blauäugig" gewesen. Liefers, dessen Video weiterhin auf der Seite zu finden ist, verteidigte die Aktion. Er räumte im NDR aber ein, Ironie sei "vielleicht wirklich ein ungeeignetes Mittel". Man habe keinesfalls "rechte Schwurbler und Wirrköpfe" munitionieren wollen.

In einem auf der Webseite allesdichtmachen.de veröffentlichten Statement heißt es, wenn Videos verschwinden, bedeute das "nicht zwingend, dass die jeweiligen Leute sich distanzieren". Manche sähen sich vielmehr nicht in der Lage, die Reaktionen auszuhalten. Weiter heißt es: "Das Projekt ist kollektiv entstanden, die Gruppe ist divers, die Meinungen gehen auch hier auseinander."

Die Inhalte der Videos waren sehr unterschiedlich: Manche drehten sich um die politische Entscheidungsfindung, andere um konkrete Maßnahmen, wieder andere um die Medienberichterstattung zu Corona. Initiator ist der Regisseur Dietrich Brüggemann, der bereits zuvor in sozialen Netzwerken als Kritiker der Corona-Maßnahmen aufgetreten war. Verantwortlich ist der Werbefilmer Bernd K. Wunder, der sich ebenfalls schon vor der Aktion auf Instagram für den Begriff "Coronazi" starkmachte.

Von der AfD und sogenannten Querdenkern kam Beifall

Die Aktion hatte zu heftigen Reaktionen geführt. Von der AfD und "Querdenkern" kam Beifall. Zu den Kritikern hingegen gehört der Schauspieler und Präsident der Deutschen Filmakademie Ulrich Matthes. Er sagte der SZ, auf ihn wirke die "angebliche Ironie" der Beiträge "nur abgehoben und zynisch". Auch wenn man über den Sinn einzelner Maßnahmen streiten könne und müsse: "Diese Aktion ist eine Steilvorlage für die AfD und die Querdenker-Szene." Kritik kam unter anderem von der Deutschen Stiftung Patientenschutz, von der Bildungsstätte Anne Frank und vom Bundesverband Schauspiel.

In sozialen Netzwerken wurden auch Forderungen an öffentlich-rechtliche Sender laut, die Beteiligten nicht weiter zu beschäftigen. Vom ZDF gab es dazu keinen Kommentar. Das Erste teilte auf SZ-Anfrage mit: "Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler sprechen für sich selbst auf ihrer eigenen Plattform. Allen steht das Recht zu, ihre Meinung zu äußern."

© SZ
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