Nachruf auf "Jeopardy"-Moderator:Die Konstante

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"Man muss sein Ego zur Seite schieben": Alex Trebek. (Foto: Chris Pizzello/dpa)

Knappe vier Jahrzehnte lang moderierte Alex Trebek die Quiz-Sendung "Jeopardy" - mit Verlässlichkeit und Fairness. Nun ist Trebek im Alter von 80 Jahren gestorben.

Von Jürgen Schmieder

Verlässlichkeit, Fairness, Schlagfertigkeit. Mit diesen Eigenschaften moderierte er 37 Jahre lang die Quiz-Sendung Jeopardy bei NBC, ABC und CBS. Am Sonntag ist er im Alter von 80 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Das wären der Show entsprechend die Hinweise, und die dazugehörende Frage würde lauten: Wer war Alex Trebek? Gerade in den vergangenen Jahren war er eine Konstante im Leben vieler Amerikaner, die sich fragten: Können wir vielleicht mal ein paar Monate lang in Ruhe leben, ohne dass wir uns schon wieder an irgendwas Neues gewöhnen müssen? Trebek war da, immerzu.

Jeopardy ("Gefahr!") ist das Fernsehquiz, das andersherum funktioniert. Den Kandidaten werden die Antworten auf Fragen präsentiert ("Er ist grün und hüpft.") und sie müssen mit der passenden Frage antworten ("Was ist ein Frosch?"). Wer nur "Frosch" sagt, bekommt keine Punkte. Neben der bildungsbürgerlichen Herausforderung, möglichst viel zu wissen, ist hier also auch noch eine andere Form von Geistesgegenwart gefragt. RTL hat die Rateshow für das deutsche Fernsehen adaptiert. Von 1990 bis 1993 lief die deutsche Version zunächst unter dem Titel Riskant!. Von 1994 bis 1998 wurde sie dann unter dem Originaltitel täglich im Nachmittagsprogramm ausgestrahlt, moderiert von Frank Elstner.

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Jeopardy ist in den USA deshalb so beliebt, weil es noch immer daherkommt wie einst und dennoch nicht an Relevanz eingebüßt hat - im Gegenteil: Die Titelmelodie der Sendung, das heitere "Think!", gilt in der Popkultur als Indikator dafür, dass hier gerade etwas ein bisschen länger dauert. Die Sendung kam so häufig in Filmen und Serien vor, dass im kollektiven Gedächtnis auch junger Amerikaner verankert ist: Wer bei Jeopardy viel weiß, der ist gebildet.

Trebek ist der einzige Moderator in der Geschichte der Sendung, und es war seine oftmals arrogant-pingelige Art, die ihn legendär werden ließ. Er gab in Interviews zu, dass er manchmal bewusst herablassend wirken wollte, um allzu selbstbewussten Kandidaten zu zeigen: Wer nicht viel weiß, der wird sich blamieren - es gewinnt nicht der Lauteste, sondern der Klügste. Im Jahr 2013 ließ er bei der Kinder-Variante der Show die Antwort eines Achtklässlers nicht gelten. Der hatte "Emanciptation Proclamation" geschrieben, also nur ein "t" zu viel im ersten Wort. Die zunächst harsch kritisierte Härte Trebeks wurde später oft als Beispiel dafür gelobt, sich im Leben nicht mit halbgaren Sachen zufriedenzugeben.

Trebek, 1940 im kanadischen Sudbury geboren, begann als Journalist beim kanadischen Fernsehen und moderierte danach Musik- und Sportsendungen. Den Wechsel ins Quizformat bereute er, im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, überhaupt nicht; er genoss es vielmehr, von Fans mit Antworten begrüßt zu werden, auf die er eine Frage formulieren musste. Unvergessen der Moment, als ihn ein Fremder mit einer kniffligen Frage ("Die amerikanische Flagge weht dort 24 Stunden lang, jeden Tag.") verblüffen wollte, und Trebek wie aus der Pistole geschossen sagte: "Was ist der Mond?"

Die Leute wussten, wie klug Trebek war, also musste er sich nie profilieren. "Man muss sein Ego zur Seite schieben", sagte er einmal: "Die Kandidaten sollen zeigen, was sie draufhaben. Dann geht es der Sendung gut und mir auch." Im März vergangenen Jahres machte er seine Krebserkrankung öffentlich und sagte, dass er gerne so viele Folgen aufzeichnen wolle wie möglich: "Ich kann nicht aufhören, das wäre Betrug." Insgesamt hat Trebek mehr als 8000 Folgen moderiert.

Am Sonntag ist er in seinem Haus in Los Angeles gestorben. Der Sender teilte mit, dass die bereits aufgezeichneten Jeopardy-Episoden bis zum 25. Dezember reichen. Trebek ist also, zumindest bis Weihnachten, immer noch da.

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