"Aktuelles Sportstudio" im ZDF:Teppich aus Schleim

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Das Sportstudio ist wie eine Wundertüte - man weiß als Zuschauer nie, was man bekommt. Sehr gut ist oft die Video-Analyse, in denen die Macher Laufwege, Raumdeckung und Stellungsfehler mit Pfeilen und Trickeffekten erklären. Sehr gut ist der Reporter Jochen Breyer, der begriffen hat, dass Fragen stellen ein Handwerk ist. "Wer hat eigentlich mehr Temperament: Sie oder Matthias Sammer?", so begann Breyer sein Interview mit dem Dortmunder Trainer Jürgen Klopp, nachdem die beiden sich während des Spiels am vergangenen Samstag Mund zu Mund angeschrien hatten. Es entspann sich ein nonchalantes Gespräch über Respekt und das, was da passiert war; Klopp ließ den Journalisten nicht auflaufen, sondern erzählte. Breyer wusste ihn zu fordern.

Nur, alles in allem ist das Sportstudio dem Tatort und dem Kommentar in den Tagesthemen nicht unähnlich - einigen gelungenen Ausgaben stehen viele unfassbar schlechte gegenüber. Vielleicht wird sich das für die Öffentlich-Rechtlichen eines Tages noch als strategische Torheit erweisen: dass ausgerechnet Sendungen, die doch das Image der Anstalten prägen, so amateurhaft gemacht sind. Der Tatort strotzt oft vor Logik-Pannen, in den Tagesthemen kommentieren Chefredakteure, die erkennbar keine Meinung haben, und im Sportstudio wirken Angestellte, die ihren Gästen, nicht aber ihrem Publikum zu Diensten sind.

Was teilte Sven Voss neulich mit, als Paul Breitner da war? Es sei dessen "persönlicher Wunsch", nichts zu Uli Hoeneß zu sagen. Ein Moderator, der das naheliegendste aller Themen einfach aussparte. Schon wahr, nicht jede Ausgabe oder jedes Interview kann ein Meisterstück sein. Das ist es bei der Zeitung auch nicht. Es ist aber nicht zu viel verlangt vom Gebührenfernsehen, dass ein gewisses Handwerksniveau nicht unterschritten wird.

So ist nichts zu gewinnen

Zur ZDF-Sportredaktion gehört auch ein Reporter namens Boris Büchler. Er moderiert das Sportstudio zwar nicht; er ist als Interviewer in den Stadien unterwegs. Seine Fragen sind keine Fragen, sondern ein einziger Teppich aus Schleim.

An den Spieler Mike Hanke von Gladbach: "Ihr Tor war Fußballkost vom Feinsten. Wie würde der Kommentator Hanke diesen Treffer kommentieren?"

An Jürgen Klopp, nach einem Dortmunder Sieg in Düsseldorf: "Wenn man sich das 1:0 von Sahin anguckt, das hatte richtig Champions-League-Klasse - würden Sie das unterschreiben?"

An Klopp, vor Längerem nach einem Sieg in München: "Wie intensiv schlägt Ihr BVB-Herz an einem solchen Freudentag?"

Klopp antwortete, ja, Gott, da habe er sich noch keine Gedanken gemacht.

Man kann es vielleicht auch so sagen: Eine Mannschaft, die so spielt, wie im Sportstudio gefragt wird - die wird wahrscheinlich nicht gewinnen.

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