AfD-Sprecher Bernd Lucke bei "Studio Friedman" "Seriöse Moderation sieht anders aus"

Für die AfD eine wahlkampftaktisch wunderbare Situation, bietet sich doch damit die Gelegenheit, die Rolle des Opfers der ignoranten Medien zu besetzen. Und tatsächlich ließ die Pressemitteilung nach Luckes Abgang nicht lange auf sich warten. "Eklat bei N24: Lucke lässt Friedman stehen", hieß es wenig später auf der Webseite der AfD. Friedman habe auf wertende Fragen beharrt und Lucke nicht adäquat zu Wort kommen lassen. "Seriöse Moderation sieht anders aus", lässt sich der AfD-Sprecher selbst zitieren.

Bei N24 sieht man das naturgemäß anders. "Wer die Talkshow einmal gesehen hat, der weiß, dass Michel so lange nachfragt, bis er eine Antwort bekommt", sagte Sprecherin Kristina Faßler. Auf Ahnunglosigkeit bezüglich Friedmans Fragetechnik kann sich Lucke nicht herausreden, war er doch am 20. Juni 2013 schon mal bei Studio Friedman zu Gast. Und danach war keine "Eklat"-Pressemeldung notwendig. Für eine gewisse Dünnhäutigkeit Luckes spricht auch, dass Friedman seinen N24-Talk zuvor 351 Mal mit etwa 700 Gästen moderiert hat - ohne dass ein Gast vorzeitig Reißaus genommen hätte.

Und da hatte er genug: Bernd Lucke verlässt das Studio Friedmann nach elf Minuten.

(Foto: © N24)

Aber Dünnhäutigkeit hin oder her, auch aus Sicht von N24 und Michel Friedman ist in dieser Show nicht alles glatt gelaufen. Denn das Zitat, das Friedmann AfD-Kandidatin Beatrix von Storch zuschrieb, stammt gar nicht von ihr. Erstmals erschienen ist es in einem Aufsatz von Roland Woldag in dem rechtslastigen Magazin Eigentümlich frei. Später wurde der Aufsatz auch in dem Online-Magazin Freie Welt, das von Storch betreibt, publiziert. Die AfD-Frau selbst hat sich via Facebook gegen die falsche Zitation verwahrt.

Im Endeffekt haben also weder Talker Friedman (und seine Redaktion) noch Politiker Lucke ihren Job besonders gut erledigt.