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Ärger um französisches Auslands-TV:Mysteriöse Spitzelaffäre

Christine Ockrent, Vizechefin des französischen Auslands-TV, soll in eigenwillige Machenschaften verwickelt sein. Die Querelen des Konzerns dürften auch Frankreichs Präsident Sarkozy nicht kalt lassen.

Er würde gern zu einer so mächtigen Stimme wie BBC World oder CNN anschwellen, der französische Auslandsrundfunk AEF. Doch nun wird er von einem Duell an der Führungsspitze schwer gestört. Alain de Pouzilhac, der AEF-Chef, und seine Stellvertreterin Christine Ockrent finden seit Monaten keine gemeinsame Sprache mehr.

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Entzweit: Christine Ockrent und Alain de Pouzilhac, das Führungsduo des Senderverbundes "Audiovisuel extérieur de la France (AEF)".

(Foto: AFP)

Diese Woche überstürzen sich die Ereignisse. Erst beschlossen der Chefredakteur und die leitenden Angestellten des Nachrichtenkanals France 24, der zu AEF gehört, alle Sitzungen mit Ockrent zu boykottieren. Dann wurde eine Parlamentskommission eingesetzt, um sich der Zustände beim Auslandsrundfunk anzunehmen.

Am Mittwoch sprachen bei einer Betriebsversammlung von France 24 mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter Ockrent das Misstrauen aus - ein vernichtendes Urteil. "Königin Christine", wie die 66 Jahre alte frühere Nachrichtenmoderatorin genannt wird, reagierte am Donnerstag trotzig: "Ich bleibe."

Der sehenswerte Nachrichtensender France 24 war unter Präsident Jacques Chirac geschaffen worden, um Frankreich mehr Gehör in der Welt zu verschaffen. Vor zwei Jahren fasste Präsident Nicolas Sarkozy France 24, das Auslandsradio Radio France Internationale und Teile des TV-Kanals TV 5 Monde unter einem Dach zusammen - der AEF ( Audiovisuel extérieur de la France). So sollte der Auslandsrundfunk mehr Zusammenhalt und Gewicht bekommen.

Sarkozys Entscheidung, Ockrent zur Vize-Chefin zu machen, stieß auf Kritik, da sie die Lebensgefährtin des damaligen Außenministers Bernard Kouchner ist.

Etliche Journalisten beim Auslandsfernsehen sind auch inhaltlich mit der Arbeit Ockrents unzufrieden. Sie werfen ihr vor, sie habe eine Parallelstruktur aus Vertrauten aufgebaut, führe die Mitarbeiter zu autoritär und achte zu wenig auf die Kosten. Besonders de Pouzilhac tat sich als Kritiker hervor.

Seit kurzem wühlt zudem eine mysteriöse interne Spionageaffäre den Sender auf. Eine enge Mitarbeiterin Ockrents wurde entlassen, da auf ihrem Computer zahlreiche Dateien gefunden wurden, die von Servern des Staatssenders illegal kopiert worden waren. Ockrent wurde unterstellt, sie stecke hinter dem Spionagefall. Sie selbst beteuert in diesen Tagen bei vielen Medienauftritten ihre Unschuld. Die Ermittlungen der Justiz sind noch nicht abgeschlossen.

Wie es weitergeht mit der Stimme Frankreichs, wird nun die Politik entscheiden müssen. Der Staat finanziert seinen Auslandsrundfunk jährlich mit 100 Millionen Euro. Kulturminister Frédéric Mitterrand hat Ockrent und de Pouzilhac diese Woche zu "mehr Besonnenheit" angehalten.

Die Mediengewerkschaften agieren uneins. Während die einen nur den Rücktritt Ockrents fordern, verlangt eine andere, auch Pouzilhac müsse gehen. Die beiden hätten den Auslandsrundfunk in "katastrophaler Weise" geführt.

Aus dem Élysée-Palast heißt es, zunächst solle Kulturminister Mitterrand versuchen, den Konflikt zu lösen. Man betrachte jedoch "mit Aufmerksamkeit, was passiert", warnt Franck Louvrier, der Medienberater Sarkozys.

Den Präsidenten kann die Kabale nicht gleichgültig lassen. Schließlich geht es um die Ausstrahlung Frankreichs.