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ADAC-Mitgliedermagazin:Die Redaktion soll bleiben - die Auflage soll jedoch um mehr als die Hälfte reduziert werden

Klar, inhaltlich soll es in der Motorwelt weiterhin um Mobilität gehen. Neben den klassischen, nah am Leben ratsuchender Autofahrer orientierten Themen wie Verkehrssicherheit, Tests, Reisen, Motorsport oder Oldtimer soll es künftig jedoch auch "längere Reportagen und Bilderstrecken geben", kündigte ADAC-Geschäftsführer Soutschka an. "Wir wollen nicht nur Nutzwert, sondern auch Qualitätsjournalismus bieten."

Chefredakteur des Blattes bleibt Martin Kunz, der auch in Zukunft beim ADAC angestellt ist. Er ist demnach das Bindeglied zwischen Autoclub und Magazinverlag. Die redaktionellen Inhalte liefert künftig die Münchner Agentur Storyboard, die derzeit an einer Dummy-Ausgabe arbeitet. Was aber geschieht mit der bisherigen Motorwelt-Redaktion?

Laut ADAC waren bislang 36 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Heft beschäftigt. Sie sollen sich künftig um den Internetauftritt des Unternehmens kümmern. Denn auch im Netz stehen einige Neuerungen an.

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Anfang 2020 soll die komplette Webpräsenz des ADAC neu gestaltet werden, angekündigt ist ein Portal für Nachrichten aus den Bereichen Verkehr und Mobilität. In Redaktionskreisen heißt es, angemeldete Nutzerinnen und Nutzer sollen dort künftig ihrer Interessenslage entsprechende Inhalte angeboten bekommen. E-Bike oder Sportwagen, Reiseratschläge oder Reparaturtipps. Darum soll sich auch die bisherige Motorwelt-Redaktion kümmern.

Wer wofür zuständig sein soll, steht bislang nicht fest, aber die Ziele sind groß: "Unser Anspruch als Verein mit rund 21 Millionen Mitgliedern ist es, das größte und wichtigste Mobilitätsportal in Deutschland zu schaffen", sagt Geschäftsführer Lars Soutschka.

Künftig müssen sich die Mitglieder des Autoclubs das Heft bei Edeka und Netto abholen

Die unübersichtliche Palette an mehreren Dutzend Apps für alle Lebenslagen, die der Club für Handys und Tabletts anbietet, sollen in zwei Anwendungen zusammengefasst und ausgebaut werden. Die "ADAC Mobility App" soll praktische Hilfestellungen im Alltag leisten: Staumeldungen, Spritpreise, Verkehrsinformationen. Eine zweite App soll sich dem Thema Reise widmen: Informationen über Zielorte, Planungshinweise, Sehenswürdigkeiten. Dort sollen Nutzer auch ihre Reisedokumente hinterlegen können.

Dass der traditionsreiche ADAC die Präsentation seiner Inhalte gerade derart intensiv vorantreibt, ist Teil eines Sparprogramms, mit dem der Automobilclub bis Ende 2020 etwa 80 Millionen Euro an laufenden Kosten einsparen will. Hintergrund ist, dass die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen nicht mehr reichen, um die Kosten - vor allem für die Pannenhilfe - zu decken. Die Motorwelt war ein zusätzlicher Kostenfaktor. Ausgaben für das Blatt von 90 Millionen Euro pro Jahr standen nur etwa 30 Millionen Euro Einnahmen aus dem Anzeigenverkauf gegenüber. Allein der Vertrieb über die Deutsche Post kostete mehr als 50 Millionen Euro. Kein Wunder also, dass die Post, als im Herbst 2018 bekannt wurde, dass die Motorwelt künftig nicht mehr monatlich verschickt werden soll, mitteilte, sie bedauere die Entscheidung eines ihrer "größeren Kunden im Bereich der sogenannten Pressepost".

Die Supermarktketten, in denen das Magazin künftig für Mitglieder bereitliegt, dürften sich hingegen über die Neuregelung freuen. Ursprünglich hatte man auch Tankstellen und Autowerkstätten hinzuziehen wollen, laut Geschäftsführer Soutschka hat sich das jedoch als zu kompliziert erwiesen. Gemeinsam mit den 180 ADAC-Geschäftsstellen soll die Zahl der Verteilstellen künftig bei mehr als 6000 liegen. Wer ein Heft will, muss sich allerdings als Mitglied ausweisen. Probleme erwartet Soutschka dabei nicht. "80 Prozent unserer Mitglieder tragen ihren Clubausweis ohnehin in ihrem Geldbeutel, weitere zehn Prozent haben ihn im Auto. Dadurch ist er beim Einkauf in der Regel sowieso dabei." Außerdem wolle man künftig den Ausweis über die Apps auch digital anbieten.

Hinzu kommt: Die Menschen hierzulande beherrschen das Prinzip, sich ihre Lektüre beim Einkauf mitzunehmen, dank einem anderen deutschen Erfolgsmagazin längst. Die Apotheken Umschau, gegründet Mitte der Fünfzigerjahre, hat eine Auflage von mehr als neun Millionen.

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