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ADAC-Mitgliedermagazin:Für Selbstabholer

ADAC und Burda schließen strategische Partnerschaft

Bei der Umstrukturierung der "ADAC Motorwelt" wird sich zeigen, bei wem sie vom Briefkasten direkt ins Altpapier gewandert ist.

(Foto: obs)
  • Das ADAC-Magazin Motorwelt landet statistisch gesehen in jedem vierten deutschen Haushalt.
  • Ab 2020 übernimmt der Münchner Burda-Verlag über seine Tochterfirma BCN die gedruckte Zeitschrift als Auftragswerk.
  • Die Umstellung könnte kaum radikaler sein und ist Teil eines Sparprogramms, mit dem der Automobilclub etwa 80 Millionen Euro an laufenden Kosten einsparen will.

Die auflagenstärkste Zeitschrift Europas ist ein eher schlankes Heftchen, die Titelseite zeigt in der Regel irgendwas mit Reifen. Noch. Denn was das ADAC-Magazin Motorwelt angeht, das monatlich an die meisten der fast 21 Millionen Vereinsmitglieder verschickt wird und so statistisch in jedem vierten deutschen Haushalt landet, bleibt in Zukunft kaum etwas so, wie es ist und immer war.

Weil Herstellung und Versand teuer sind und der ADAC sparen will, hat er entschieden, das Heft künftig seltener und obendrein nicht mehr selbst zu produzieren. Am Donnerstag teilte der Automobilclub mit, dass ab 2020 der Münchner Burda-Verlag über seine Tochterfirma BCN die gedruckte Zeitschrift als Auftragswerk übernehmen wird. Die Motorwelt soll dann nicht mehr einmal im Monat, sondern nurmehr viermal im Jahr erscheinen. Vor allem online und daher in deutlich weniger gedruckten Exemplaren.

Journalismus Wettstreit um die "Motorwelt"
ADAC-Mitgliedermagazin

Wettstreit um die "Motorwelt"

Burda soll offenbar den Zuschlag erhalten, von 2020 an das ADAC-Mitgliedermagazin zu produzieren. Es geht um einen dreistelligen Millionenbetrag.   Von Uwe Ritzer

Die Hefte sollen dann auch nicht mehr automatisch in den Briefkästen der Clubmitglieder landen. Stattdessen werden sie in Supermarktfilialen von Edeka und Netto, sowie den Geschäftsstellen und Niederlassungen des ADAC liegen, wo Mitglieder gegen Vorlage ihrer Clubkarte ein Exemplar erhalten. Und dann sind da noch der Inhalt und das Erscheinungsbild. Von "hochwertiger Aufmachung", "besonderem Papier" und "Lesegenuss zusätzlich zu den bereits vorhandenen nutzwertigen Themen" ist bei Burda auf Anfrage die Rede.

Saisonaler Hochglanz für Selbstabholer also statt automatisch gelieferter Vereinspostille: Die Frage wird sein, ob die Motorwelt mit diesem Konzept besteht. Und ob sich die ADAC-Mitglieder an die Selbstabholung gewöhnen.

Ab 2020 soll das Magazin nur noch vier Mal im Jahr erscheinen, dafür viel hochwertiger

Die Umstellung könnte jedenfalls kaum radikaler sein, sie betrifft Inhalte, Produktion, Erscheinungsfrequenz, Distribution und Masse. Laut ADAC soll die erste Auflage im März 2020 versuchsweise bei sechs Millionen Exemplaren liegen. "Mittelfristig" gehe er "davon aus, dass sich die Print-Auflage bei etwa fünf Millionen Heften bewegen wird", sagt Lars Soutschka, der Geschäftsführer des ADAC e.V. ist. Das ist nicht einmal mehr die Hälfte der aktuell 13 Millionen verteilten Magazin. Eine Zahl, die sich übrigens daraus ergibt, dass einige der 21 Millionen Mitglieder über Familienverträge angemeldet sind und kein eigenes Magazin erhalten. Mit dem Zwang zur Selbstabholung wird sich auch zeigen, wer die 1925 gegründete Zeitschrift wirklich gerne liest, und bei wem sie vom Briefkasten ins Altpapier gewandert ist. Intern geht man beim ADAC davon aus, dass ein Viertel der Empfänger die Motorwelt ungelesen wegwirft.

An dem Großauftrag, Europas angesichts von fünf Millionen Exemplaren auch künftig auflagenstärkstes Magazin unter die Leute zu bringen, hatten gut ein Dutzend Verlage Interesse angemeldet - neben Burda aus München auch Axel Springer aus Berlin, sowie Gruner + Jahr aus Hamburg. Der Burda-Verlag, respektive BCN, galt schon früh als Favorit. Bereits bei der ersten Präsentation aller Interessenten im vergangenen Jahr habe der Münchner Verlag das schlüssigste und umfassendste Konzept vorgelegt, erzählen Beteiligte aus dem ADAC. Als einziger Bewerber durfte Burda im Frühjahr auch dem Verwaltungsrat (und damit dem zweithöchsten Führungsgremium des ADAC) sein Konzept präsentieren. Damals war auch noch der Springer-Verlag im Rennen, gegen den sich Burda am Ende dem Vernehmen nach klar durchsetzte. Der nun abgeschlossene, etwa 200 Seiten dicke Kooperationsvertrag mit BCN, gilt mehrere Jahre mit einer Verlängerungsoption und bewegt sich in Euro ausgedrückt im dreistelligen Millionenbereich. Er umfasst Produktion, Herstellung, Druck und Vertrieb der Motorwelt, aber auch die Redaktion, die Vermarktung und das Marketing.

"Mit Hubert Burda Media haben wir beste Voraussetzungen, dass die neu konzipierte ADAC Motorwelt eine Erfolgsgeschichte bei unseren Mitgliedern und den Werbekunden schreibt", sagte ADAC-Chef August Markl. Der Verlag überzeugte den Club nicht zuletzt damit, dass er mit seinen Vorlagen und Vorschlägen dessen Vorstellungen von einem "hochwertigen Magazin" am nächsten kam.